Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 3 · p. Seite 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 3
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829280-2858282--06587-2858350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

als Religionspliilosoph. 107 Ibn-Esra’s Erklärung lim1). Uebrigens lässt sich ein Th eil seiner von Ibn-Esra abweichenden Worterldärungen darauf zurückführen, dass hei •ihm auch die Worterklärung im Dienste seiner philosophischen Ansicht steht2), wie ihm als echt philosophi- 8ehern Commentator auch das Ethymologisiren zur Bestätigung seiner Ansicht nicht fremd ist3). Ungleich stärker, wie leicht• zu begreifen, sind seine Abweichungen von Maimonid.es' Erklärungen, so sehr auch die maimonidischen Gesichtspunkte hei der Erklärung des Gesammtzusammenhanges für. ihn leitend sind, ja so sehr auch der ganze Commentar — das Grammatisehe und Lexikalische, als in diesem Commentar von untergeordneten Bedeutung, abgerechnet — in maimonidischen Bahnen geht. Ueberall da nämlich, wo seine von der maimonidischen abweichende philosophische Ansicht ihn dazu nöthigt, oder wo frühere Angriffe die Auffassung des Maimoniden als unhaltbar gezeigt hatten, kommen die Differenzen zum Vorschein. Findet ja doch Gersonides seine Lehre über die Weltschöpfung und die damit zusammenhängende über Wunder, seine Lehre über Prophetie und Wahrsagung, seine Lehre über das Wissen Gottes und über die Providenz, seine Lehre über die Sphärenbeweger, seine Lehre über den jenseitigen Zustand der Seele und über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Einswerdens mit dem allgemeinen Geiste, wie er sie im Milchamot vorgetragen, in der Sclirift wieder4). Es versteht sich demnach, dass er 1) Vgl. Pentateuchcomment. S. .29 a. v. ונוכחת. 2) Vgl., um aus der Menge nur Einiges hervorzuheben, seine Erklärung des Wortes ויכל S. 13 ״er hatte Verlangen,“ eine Erklärung, in der er übrigens, nach Angabe des בעל הטורים mit dem jerusalemisehen Talmud übereinkommt, ohne dass sie in unseren Targumim sich findet, ferner des Wortes שרי (S. 26a), die freilich auch Andere haben, die er aber gleich philosophisch vernutzt, und zahlreiche andere Worterklärungen, die seiner philosophischen Ansicht dienen müssen. 3) Vgl. als in dieser Beziehung charakteristisch seine Ableitung des Wortes מים von ימה des Wortes שמים von שם (Comment. S. 9b). 4) Sein Commentar bietet überaus zahlreiche .Stellen, wo diese Hauptthemata des Milchamot berührt und die Resultate der dort geführten Untersuchungen mit den Schriftstellen ausgeglichen sind. Wir greifen daher nur je.eine oder einige Stellen heraus für je einen der im Texte erwähnten Punkte. Seine Ansicht über die Weltschöpfung findet er, wie das bereits erwähnt worden, in der bibl. Schöpfungsgeschichte wieder. Seine Ansicht über Wunder ist, wie an vielenStel-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.