Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829280-2858281--06575-2858340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
97 Dr. Bernhard Beer. die h. Regierung werde, die Verhältnisse der Juden er״ wägend, der Ständeversammlung einen diesfallsigen Gesetzentwurf vorlegen (eine Hoffnung, die übrigens, wie sich weiter ergeben wird, zweimal bitter getäuscht wurde), doch mache es ihnen die stets zunehmende Roth der Gemeinde zur?flicht, der hohen Ständeversammlung ihre Verhältnisse zur geneigten Berücksichtigung vorzulegen." Es wird nun angeführt, ״dass während in allen deutschen Staaten die bürgerliche Verbesserung der Juden vorschreitet, Sachsen allein — mit Wehmuth müssen wir als sächsische Unterthanen diese traurige Wahrheit aussprechen — das einzige Beispiel liefere, die mittelalterlichen Verfügungen hinsichtlich der Juden in ihrer ganzen Starrheit bestehen zu lassen." ״Nichtsdestoweniger hat dennoch sich auch bei den hiesigen Juden ein besserer Geist entfaltet und es haben Mehrere sich dem Handwerke gewidmet." — Der Vorwarf, ״dass so lange die Israeliten den talmudisc'hen Grund- Sätzen dem Staate nicht die gehörigem Garantieen gewähren,um ihnen bürgerliche Rechte einzuräumen," wird durch Hinweis auf viele Schriftsteller zurückgewiesen, und es wird zugleich der oben angeführte Inhalt des jüdischen Glaubensbekenntnisses dargelegt. Offen wird ausgesprochen: ״Sollte auf die uns zugemuthete Verlegung der Sabbatsfeier auf den Sonntag bestanden werden, so müssten wir die Wohlthat der Emancipation uns versagen, weil die Verlegung der Sabbatsfeier als unserem Gewissen zuwider auf keine Weise und unter keinerlei Bedingung von uns zugegeben werden kann." ״Es ist klar, dass derjenige Staat, welcher die Abschaffung eines religiösen Dogma’s oder einer religiösen Handlung erheischt, wodurch die Staats- und Privatbürgerpflichten werden, in Gefahr geräth, am Ende in den Jesuitismus zu verfallen." — Die Vorstellung scliliesst mit der Bitte, ״die Ständeversammlung wolle die Ertheilung der privat- und Staatsbürgernchen Rechte an die im Königreiche Sachsen eingeborenen Israeliten gegen deren Uebernahme aller Staatsbürgerpflichten beantragen." Diese von Professor Krug eingereichte und warm beverwertete Petition rief einen wahrhaften Sturm unter Frankel, Monatsschrift. XI. 3. 8