Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 3 · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 3
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829280-2858281--06573-2858338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Dr. Bernhard Beer. 95 seines Rechts, und stösst das hiermit in natürlichen Conflict gerathende Recht des Anderen zurück. Allein der Mensch bildet sich allmälig mit dem Staate und nimmt seine Grundlagen in sich auf. Der Constitutionsstaat besiegt endgiltig den politischen Egoismus, der Bürger gelangt in ihm zur Reife und erlangt die männliche Selbstständigkeit, kleinliche Rücksichten vor den die Grundsäulen des Staates bildenden Factoren aufgehen zu lassen. Und hiermit verbindet sich auch die Reife des politischen Urtheils, das die auf der Kammertribttne gesprodienen Worte der strengen Prüfung unterwirft. Die Aufregung beschwichtigt sich bald, der öffentliche Ausspruch ist nicht wie in absoluten Staaten ein Orakel; man ist gewöhnt, an dessen Stichhaltigkeit mit ruhiger Besonnenheit heranzugehen. Wie also durch das constitutionelle Leben die Sache der Juden gefördert wird, so liegt auch in ihm die Beschwichtigung des Manchen beängstigenden Gedankens, der Parlamentarismus trage zur Missachtung der Juden bei. Sachsen stand im Jahre 1833 am Beginne seiner Constitution; es hatte, um zur Reife zu gelangen, viele Phasen durchzumachen, und es beginnt nun eine neue Leidenszeit der Juden. Sie lichtet sich allmälig. Beer hat durch geistiges W ort und That hierzu viel beigetragen. — Gehen wir auf die Regierung zurück. Sie hatte nicht nur keine Vorlage an die Kammern gelangen lassen, sondern sie war im Allgemeinen von dem Grundsätze ausgegangen, ״dass die moralische Verbesserung der Juden und namentlich ihre Annäherung an christliche Gebräuche und Sitten ihrer bürgerlichen Emancipation vorangehen müsse, und zugleich die Verlegung des jüdischen Sabbats auf den christlichen Sonntag zu einer Bedingung ihrer Gleichste!- lang zu machen sei"״׳"). Man kann hier sich nicht der tiefsten Entrüstung enthalten. Wer ist hier der Jude, wer der Schacher Treibende? Die Regierung will den Sabbat *) Vgl. den besonderen Abdruck des Berichts der dritten Deputation der ersten Kammer über das Gesuch der hiesigen israelitischen Gemeinde um bürgerliche Gleichstellung. 15. Juni 1883, S. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.