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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 3 · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 3
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 Div Bernhard Beer. Thile erklärte in der Sitzung der Dreiständecurie vom' 14. Juni 1847: ״Es ist von der Presse die Rede gewesen und von dem Einflüsse, den jüdische Schriftsteller, in derselben ausüben. Ich schreibe diesen Einfluss keineswegs einer Feindseligkeit zu, aber ich muss ihn dem Umstande zuschreiben, dass der Jude an und für sich kein Vaterland haben kann als das, worauf ihn sein Glaube hinweist; Zion ist das Vaterland der Juden. Jeder Jude, der ein gläubiger Jude ist — denn von Solchen, die weder an Christum noch an Mosen und die Propheten glauben, ist hier nicht die Rede — also jedpr Jude, der an seine Religion glaubt, hat dort ein Vaterland, von dem er seine Blicke nie ־wegwendet. Er kann unter anderen Nationen wohl ein guter Unterthan sein, er kann den Zuständen, in denen er lebt, aus eigenem Interesse oder aus allgemeiner Menschenliebe grosse Opfer bringen, er wird aber nie ein Deutscher, nie ein Preusse werden, weil er ein Jude bleiben muss“*). Aehnlich sprach sich der Staatsminister v. Bodelschwingh am 17. Juni aus: ״Die Juden sind Fremdlinge in unserem Vaterlande und werden es so lange bleiben, als sie wirkliche Juden sind“**). Und so desavouirten diese Herren das Gesetz vom 11. März 1812, welches in seinem 1. Paragraph erklärt: ״Die in unseren Staaten jetzt wohnenden Juden sind für Inländer und preussische Staatsbürger zu achten.“ Ist also die gewöhnliche Ministerpolitik kein dem Wachsthum und der Reife von Recht und Freiheit gedeihlieber Boden, so zeigt das constitutioneile Leben das ertreuliche Gegentheil. Wohl wird es bei seinem Beginne von den Wenigsten begriffen. Der lieber gang von Unmündigkeit zur politischen Selbstständigkeit ist ein gar zu grosser Schritt, als dass nicht die Spuren der früheren Unreife sich in Vielem bemerkbar machten. Man erfreuet sich der Freiheit nach egoistischer Seite, es verspricht sich Jedermann uneingeschränkte Bewegung und Ausdehnung *) Vgl. Der Herold. Redigirt von K. Biedermann. Leipzig 1847, Nro. 80. '״'") Daselbst.

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