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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 3 · p. Seite 93

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 3
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 93 (sequence 13)
Language
German
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93 Dr. Bernhard Beer. ־ hervor zu treten; es werden häufig in ungehemmter Redefreiheit — so zeigten es in den letzten Decennien die meisten deutschen Kammern, und noch im Jahre 1861 kehrte in Preussen, dem Staate der Intelligenz, das Herrenhaus hierauf zurück — die bösartigsten Anschuldigung gen gegen den Charakter den Juden vorgebracht, werden ihm alle UnWürdigkeiten angedichtet; er erduldet also im neuen Staatsleben ein brennendes Seelenmartyrium.! Doch so• berechtigt diese Bedenken sind, so bereitet sich doch allein im constitutioneilen Staat, dem Juden das Ende seines Kampfes für Freiheit und Recht vor. Wohl entschied früher ein absoluter Wille; aber wie selten hat er, soweit die, Geschichte reicht, zum Vortheile des Juden entschieden! Und mochte er auch, über Vorurtheile sich erhebend, mit dem Strahlenglanze der Gerechtigkeit und Wahrheit in jedem Unterthanen das Recht des Menschen anerkennen, so ist dieser Wille doch nur — wenn man den Ausdruck wählen darf — ein syndynamiseher, es wirken viele Mächte mit, der allerhöchste Wille gehet grösstentheils aus der Mitwirkung der Minister hervor und kommt durch sie zur Ausführung. Und da muss mit Bedauern gesagt werden, deutsche Minister sind selten bereit, für Juden auszuführen. Es wurde schon oben der die Regulirung der bürgerlichen Angelegenheiten der Juden Deutschlands verheissende Artikel 16 der deutschen Bundesacte erwähnt*); der wackere Kämpfer G. Riesser erhob unermüdlich seinen Weckeruf, diese Bestimmung zu vollziehen: die Herren Minister-Gesandten am deutsehen Bundestage liessen bis zur letzten Stunde auf sich warten. — Preussen schien im Jahre 1812 durch einen geistig bevorzugten Mann, Hardenberg, die gewöhnliche Ministerpolitik Lügen strafen zu wollen: seine Nachfolger perhorrescirten diesen Vorgang. Der Staatsminister von *) Dieser Artikel lautet: Es soll iu Berathung gezogen werden, wie auf eine möglichst übereinstimmende Weise die bürgerliche Verbessern»g der Bekenner des. jüdischen Glaubens in Deutschland zu verwirklichen seie, und wie insonderheit denselben der Genuss der bürgerlichen Rechte gegen Hebern ahme aller Bürgerpflichten in den Bundesstaaten verschafft und gesichert werden könne.

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