Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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92 : Dr. Bernhard Beer. doch bei einige! Erwägen auf ein anderes Resultat führen. Selbst die Periode des XJeberganges aus dem Mittelalter - und .die ihr nächstfolgenden Jahrhunderte rechtfertigen nicht jenes absprechende Urtheil. Die Wissenschaften feierten ihr "Wiedererwachen nur in dem Kreise wehiger Auserwählten und verbreiteten sich nicht in das Volk; und hört man die Klagen aus der Zeit vor •und nach dem d reissigjährigen Kriege über die in allen Ständen ein gerissen e grenzenlose Lüderlichkeit und Völler ei, so kann auch hier der besonnene Forscher sich nicht zum Nachtheile des Juden entscheiden. — Die Zustände von aussen waren also nicht geeignet, im Juden den Wunsch nach Achtung ■von dieser Seite wachzurtifen; die Erinnerung endlich an die vielfachen, jede Menschlichkeit verleugnenden Bedrückungen mussten noch mehr als mit Hass ihn mit tiefer Verachtung gegen seine Peiniger erfüllen. — Mit der im vorigen Jahrhunderte am Horizonte der deutschen Literatur aufgehenden und ihren Lichtglanz nach allen .Richtungen verbreitenden Sonne bereitete sich eine folgenreiche Veränderung im Innern der Juden vor: er lernte den Christen achten. Zwar hatte der Druck noch׳ wenig in den meisten Staaten nachgelassen, selbst ein Friedrich der Grosse war nicht darauf bedacht, ihn zu erleichtern * allein' im Juden lebt eine tiefe Hinneigung zum Geistigen, ' wer ihm geistige Erhebung bietet, dem gehören seine Sympathien.. Man kann ohne Uebertreibung sagen', dass der grössere Theil der gebildeten Juden an Lessing, Goethe, Schiller, Herder und anderen Prägern der deutschen Literatur herangewachsen ist. In grossen Männern aber erblickt man die Repräsentanten ihres Volkes, sie sind der Ausdruck seines geistigen• Fonds und der ihm erreichbaren geistigen Höhe: die Verehrung für diese Männer treibt als näfcurgemässe Blüthe Achtung vor dem Volke, dem sie angehören. Da erregt als natürliche Consequenz die von diesem Volke kommende Verachtung ein tief schmerzliches Gefühl, und ihr werden nicht selten die Juden in den öffentlichen Verhandlnngen über die Juden- .frage preisgegeben. Nur wenige Widersacher sind redlieb genug, mit dem eigentlichen Motiv ihres Widerstandes