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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 2 · p. Seite 74

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 2
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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74 Lewi ben Gerson (Gersonides). Bestandteile die Schrift unser leibliches Wohl und unsere sitt־■- liehe Reinheit befördern, durch den letzten aber unserem Stre-. ben nach Erkenntniss des Wahren das Gelingen sichern •will. Dass, nun bisweilen, meint Gersonides, der Zweck der drei Bestandstücke in einander übergeht, dass nämlich beispielsweise manches Gebot zur Ausübung einer Handlung uns zugleich theore tisch bereichern will, spricht nicht gegen die Angemessenheit der getroffenen Eintheilung. Aus dem Gesagten, fügt er hinzu, lässt sich auch der Irrthum derer erkennen, welche von der talmudischen Wissenschaft nur den Theil berücksichtigenswerth halten, der sich auf Erläuterung der Gebote bezieht, da die anderen nicht minder zweckhaft seien. Mit dieser Ansicht von der Schrift ausgerüstet, beschreibt nun Gersonides, nachdem er besch ei deutlich gesagt, er zweifle nicht, auch öfters die wahre Endabsicht der Schrift verfehlt zu haben, des Näheren, wie er sich als Commentator dem Schrift- Worte gegenüber verhalten wolle. Er wolle, wo er die aus einer Schriftstelle sich ergebenden speculativen Wahrheiten ausspreche, der näheren Begründung derselben sich enthalten, um nicht übermässig breit werden zu müssen, und rechne deshalb auf Leser, die philosophische Vorkenntnisse hätten. Aus demselben Grunde, nämlich um dem Leser durch Breite nicht lästig zu fallen, werde er auf die hagadischen Auslegungen der Talmudisten nicht ein gehen. Geben sie sich ja zum Theil auch gar nicht als eigentliche Auslegungen des Schriftwortes, sondern vielmehr als an sich bemerkenswerthe Aussprüche und Lehren zu erkennen. Ferner wolle er in der Erläuterung der Gebote (מצלח) und der für diese Gebote gültigen Grundsätze (שרשים)? aus denen die Einzelbestimmungen (דינים), die für diese Gebote gelten, resultiren, nicht gerade immer an die Stellen anknüpfen, an welche sie der Talmud gelehnt, vermittelst einer der bekannten 13 Auslegungsregeln. Denn die Weisen des Talmud hätten die auch an sich feststehenden und überlieferten Bestimmungen oft an Verse gelehnt, die eben nur eine Anlehnung und mnemonische Stütze für sie sein sollten, ohne selbst die betreffenden Bibelstellen für die wirkliche Quelle dieser Bestimmungen zu halten. Sprechen sie es ja doch aus, dass man vermittelst dieser Deutungsregeln auch

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