Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
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als Religionsphilosöph. 73 Gesammtzwecke beiträgt. Wir haben aber in der Schrift zu .unterscheiden den Bestandteil, den die vulgäre Betrachtung8weise für den alleinigen Zweck hält, der aber nur mithilft zur Erreichung des Zweckesnämlich die Ge- und Verbote, von .den geschichtlichen Erzählungen, und diese wiederum von den prophetischen Erzählungen. Während es nun in Betreff des ersten Bestandtheils, der Ge- und Verbote, klar ist, dass sie unser Glauben und Thun regeln, werden wir den Zweck der geschichtlichen Erzählungen darein setzen, dass sie die Ge- und Verbote nach den Seiten hin ergänzen wollen, wo nicht sowohl das Ge- und Verbot, als vielmehr die lebendige Anschauung eines Musterverhaltens uns in unserer Praxis förderlich sein kann. Manche Regeln für das Verhalten sind nämlich zu fein und der Uebertretung von Seiten gewöhnlicher Menschen zu sehr ausgesetzt, als dass sie angemessener Weise in Form von Ge- und Verbot gefasst werden konnten. Beispielsweise konnte eine Lebensregel, wie nur über das zu zürnen, worüber zu zurnen sich ziemt und nur so weit als es sich ziemt und an dem Orte und in der Zeit, wo es sich ziemt, und ähnliche weit bes- 8er und eindringlicher durch das Beispiel vortrefflicher Mensehen, die uns zur Nachahmung hingestellt sind, als durch Ge- und Verbot eingeschärft werden. Von diesen geschichtlichen Erzählungen wiederum verschieden sind die, welche wir prophe tische nennen, und deren Zweck ein rein theoretischer ist, nämlich, uns solche Einsichten in die vorhandenen Dinge zu verschaffen, zu denen die philosophische Speculation, ohne durch prophetische Erzählungen unterstützt zu werden, schwer oder gar nicht gelangen konnte. . Diesen drei Bestandstücken analog, meint Gersonides, lassen sich auch im Talmud drei Bestandtheile unterscheiden, mit dem alleinigen Unterschiede, dass die unsere speculative Erkenntnis8 erweiternden Erzählungen daselbst nicht prophetische sind, sondem nur •Erzählungen grosser und hochstehender Männer. Auch lässt sich, fährt er fort, die Notwendigkeit aller drei Theile leicht nach weisen. Denn da die Vollkommenheit des Menschen beruht auf sittlich er und theoretis eher Vollkommenheit, da ferner als Vorbedingung für beide auch das leibliehe Wohlbefinden des Menschen erforderlich ist: so wird sich leicht erkennen lassen, dass durch die beiden ersten genannten Frankel, Monatsschrift. XI. 2. 6