Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
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72• . .. Iiewi ben Gerson (Gersonides) Anlehnungen (אסמכתות) traditionell feststehende^Halachot an geeignete Schriftstellen. Doch halten wir es für angemessen, j zunächst den Gersonides selbst reden zu lassen, da er in seiner j Einleitung zum*Pentateuchcommentar uns seihst in die Grundi sätze und Methode desselben einführt. Die h. Schrift, beginnt .Gersonides, ist aufzufasseni als eine Aeusserung der göttlichen Weisheit und Fürsorge, bestimmt, dem Menschen zu seiner wahren Glückseligkeit, zu verhelfen. Sie ist die höchste der providentiellen Aeusserungen Gottes, wie sie ja auch für-das der providentiellen Fürsorge am meisten gewürdigte Geschöpf, den. Menschen, bestimmt, ist. . Für den Menschen genügte nämlich nicht die, wenn wir so. sagen dürfen, natürliche Fürsorge, welche sich in dem Vorhandensein von Organen und Kräften ausspricht, vermöge deren ihm seine Selbsterhaltung und Selbstbehauptung ermöglicht oder erleichtert wird. Vielmehr bedurfte er noch des göttlichen Gesetzes, um zur wahren Vollkommenheit zu gelangen, •einer Vollkommenheit, welche, weil sie der letzte Zweck des Menschen. ist, zugleich hei dem Zusammenhänge der Zwecke, der Zweck überhaupt ist, um dessentwillen die Formen in das Diesseits, in die Materie, eingegangen sind. Es versteht sich, fügt Gersonides hinzu, dass es uns ebenso unmöglich ist, das ganze System von ”Weisheit und Güte, das in der Schrift liegt, zu fassen, wie es uns unmöglich ist, das System von weisen und gütigen Zwecken, wie es in der Natur sich ausspricht, vollkommen zu erkennen. Dazu wäre ja, wie im Milchamot aus.einandergesetzt, die־ intuitive Erkenntniss des schöpferischen und zwecksetzenden Geistes und nicht die discursive des die Einzelzwecke mühsam aufsuchenden und zusammensetzenden Menschengeistes erforderlich. Ah er wir verhalten uns der Schrift gegenüber wie allem Göttlichen. Wohl kennend den Unterschied zwischen dem, was wir ׳ von den vorhandenen Dingen begreifen und der Erkenntniss, wie sie im Geiste dessen ist, dem die vorhandenen Dinge ihr Dasein verdanken, suchen wir nach Kräften zu erkennen. Ist nun die Endabsicht der Schrift in allen ihren Theilen die von uns angegebene, nämlich die Förderung der menschlieben Glückseligkeit, so wird es sich zunächst um eine Sonde-;rung der verschiedenartigen Bestandteile der Schrift handeln, um zu erkennen, in welcher Weise jeder dieser Theile zu dem