Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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als. Religionsphilosoph. . 71 Auch' haben seine übrigen Commentarien einen nur wenig von dem Pe'ntateuchcommentar abweichenden Charakter, so dass eine kurze Berücksichtigung derselben genügen;wird, 11m die Vorstellung von der Thätigkeit des .Gersoniden als Exegeten zu vervollständigen. Der Pentateuchcommentar des Gersoniden stellt sich, ein Umstand, den wir bereits im Eingänge unserer Arbeit angedeutet, als die Durchführung maimonidischer Grundgedanken durch alle Einzelheiten dar. Der maimonidische Vergleich zwischen der Schrift als einer Aeusserung und Offenbarung Gottes und der Natur als einer Offenbarung desselben Gottes1) wird von Gersonides nicht blos wiederholt, sondern wirkt bestimmend auf seine Auffassung der Schrift. Der von Maimonides nur in grossen Zügen gegebene Nachweis, dass alles in der Schrift Enthaltene entweder unsere Erkenntniss berichtigen und erweitern, oder unsere sittliche Praxis regeln will2), bestimmt den Gersoniden, aus jedem biblisclien Abschnitte, nachdem er ihn erklärt, die Nutzanwendungen zu ziehen, so dass er meist ein langes Register von Erkenntnissen oder von sittlichen Eebensregeln aufstellt, die aus dem Abschnitte resultiren. Selbst Manches, was Maimoni der Schrift gegenüber wohl dann und wann geübt, aber nicht weiter als Regel für die Auslegung ausgesprochen, wird von Gersonides als Regel formulirt und mit durchgehender Allgemeinheit angewendet. Dafür das bedeutsamste Beispiel dürfte Folgendes sein: Bekanntlich hält sich Maimoni in der Herleitung eines praktisehen Gesetzes (einer Halacha) aus der Schrift nicht immer an den vom Talmud dafür angeführten Schriftvers. Vielmehr bietet sein ■Jad Hachäsaka zahlreiche Beispiele von selbstständigen Ableitungen der für die Praxis gültigen Verordnungen3). Diese Freiheit, die Maimoni nur dann und wann, meist stillschweigend, sich genommen, wird von Gersonides in ihrer ganzen Ausdehnung beansprucht, so dass er den grössten Theil der talmudisehen Herleitungen als das erklärt, wofür allerdings ein Theil derselben im Talmud, seltfst erklärt wird, nämlich als blosse ף More III, 26 11. a. a. 0. 2) More III, 27 ff. 3) Gründlich belehrt darüber Frankel im 9. Jahrgang seiner Monatssclirift, S. 381 ff.