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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 2 · p. Seite 69

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 2
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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als Religionsphilosoph. 69 Gersonid.es geht jetzt zur Beantwortung der anderen Frage über, nämlich wo und in wieweit Wunder Vorkommen können. Er lehrt darüber Folgendes: 1) Es kann keine wunderbare Entstehung ,dauernd sein, so dass dadurch die Natur dauernd geändert würde. Denn da das Naturgesetz an sich gut und mit den göttlichen Zwecken zusammenstimmend ist, so ist das Wunder nur die Correctur des Naturgesetzes in einem bestimmten Falle, wo die Yeränderung des Naturgesetzes zweckhaft ist. Nach dem Aufhören dieses Falles tritt das Naturgesetz, als das an sich Gute, wieder in seine liechte. Es geht damit ähnlich, meint er, wie mit den göttlichen Verordnungen in der Schrift. Auch sie können unter Umständen von einem Propheten aufgehoben werden, aber nie auf die Dauer1), weil auf die Dauer das Gesetz und nicht sein Gegentlieil das Gute und Zweckhafte sein kann. 2) Die Wunder gehen nur in der Welt des Diesseits vor, nicht in der Welt der Himmelskörper2). Das dieser Behauptung entgegenstehende, im Buche Josua (cap. 10, Y. 12 ff.) erzählte Wunder von dem Stillstand der Sonne und des Mondes, ebenso das im Buche der Könige (2. cap. 20, V. 9 und parallel Jesaias 38, 8) Berichtete von dem Zurückgehen des Schattens beseitigt Ger- 80nid.es, so weit es auf eine Alteration der Bewegungen der Himmelskörper zu gehen scheint, durch Exegese3). Schliesslich bespricht er noch die Schwierigkeit, welche die auf Jeremias *) Gersonides meint die sogenannte הוראת שעה. 2) Gegen diese Ansicht des Gersoniden sind offenbar die Worte des Spinoza (tractatus theolog. pol. cap. II, ed. Paul. 180) gerichtet: E. g. nihil in scriptura clarius quam quod Josua . . . putavit, 8016m. circum terram moveri, terram autem quiescere. Attamen multi quia nolunt concedere in coelis all quam posse dari mutationem etc. 3) Wie vielen Anstoss diese th eil weise Beseitigung des Wunders durch Auslegung erregt hat, ist leicht denkbar. Sonderbarer Weise ist aber auch von Seiten viel skrupulöserer Religionsphilosophen an dieser Stelle gedeutelt worden, so dass Abravanel, der in seinem Commentar zur Stelle seinen Unmuth darüber nicht genug ausdriicken kann, sich schliesslich so aussert: וחי האמת ל5א ידעתי הזה או<ה יכשר אם הכחשתו כדברי הרל״בג ואם המעטתו כדברי ר' חסדאי. veber diesen R. Chasdai, den Lehrer Albo’s, hatten wir schon früher zu sprechen Gelegenheit.

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