Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Lewi ben Gerson (Gersonides) sieht, immer nur scheinbar, 4) Alle Wunder tragen ihren Zweck, ihre providentielle Bedeutung, erkennbar an sich. Sie wollen entweder ein geistiges Gut (eine richtige religiöse Ansicht) oder ein leibliches Gut (Befreiung •von Feinden und ähnliches) verschaffen, oder sie wollen ein Schlimmes ab wehren... Nach Aufzählung dieser aus der Betrachtung der einzelnen Bibelstellen sich ergebenden Punkte behandeln wir von den drei aufgeworfenen Fragen die am wenigsten aus den Schriftstellen ohne Weiteres zu beantwortende: Wer ist der nächste Urheber der Wunder? Ihr guter Zweck sowohl als auch die Thatsache, dass sie meist vorhergewusst werden, schliesst die Annahme ihrer zufälligen Entstehung aus. Als Hervorbringer aber sind überhaupt nur drei gedenkbar. Entweder Gott selbst, oder die der Welt des Diesseits vorstehende wirkende Intelligenz, oder endlich der Prophet. An die unmittelbare Hervorbringung durch Gott wäre man geneigt zu denken, weil das Entstehen, wie es bei den Wundem in Frage kommt, dem Entstehen durch Freiheit, wie man es sich bei der Schöpfung zu denken hat, weit eher gleicht, als dem natürlichen Entstehen nach einem schon festen Gesetze. Abänderung des natürlichen Gesetzes wird aber am füglichsten Gott selbst zugeschrieben. Dazu, kommt noch, dass auch der Wortlaut der Schrift für Gott selbst als Urheber der Wunder spricht. Aber auch für die Annahme, dass die das Diesseits beherrsehende Intelligenz die Wunder bewirke, sprechen in'8 Gewicht fallende Gründe. Einmal geht, wie bereits in der Abhandlung über Prophetie erörtert worden, das Vorherwissen der Propheten auf die Mittlieilung dieser Intelligenz zurück. Soll nun das Wunder gar nichts Gesetzliches und in die Ordnung der Dinge sich Fügendes haben und darum direkt auf den göttlichen Willen zurückzuführen sein, so ist nicht abzusehen, wie die sog. wirkende Intelligenz davon Kunde haben kann, um es weiter mitzutheilen. Auch kann ja überhaupt der reine Geist nichts Individuelles, sondern nur Allgemeines wissen, so dass auch für die Entstehungen der Wunder ein gewisses allgemeines Gesetz angenommen werden müsste. Ausserdem gehen ־alle Wun-