Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. Bernhard'Beer. 55 digungen gegen ihn vor; sie fanden endlich Eingang bei August und er beschloss 5 harte Rache an dem Juden zu nehmen; Bärmann wurde vom •Fürsten beauftragt, ein versiegeltes Schreiben an den Commandanten von Königstein zu überbringen, in welchem die Worte sich befanden, den Ueberbringer sogleich zu enthaupten, War es, dass Bärmann nichts Gutes ahnte, oder dass, wie erzählt wird,• ihn ein Unwohlsein auf der ־Reise befiel," er übergab unterweges das Schreiben einem ihn! zufällig begegnenden Bekannten, der es an seiner Statt dem Commandanten überbrachte, — Jedenfalls ein Beleg, wie rechtlos die Lage auch der besser gestellten Juden war'״').. Gegen Ende der ersten Hälfte des vorigen Jahrhun-. derts wanderte Simon Bon di aus Prag, wahrscheinlich, durch die von der Kaiserin. Maria Theresia im Jahre 1745 über die Juden Böhmens verhängte Vertreibung, in Hresden ein: ein Mann von Begabung und Lebensldugheit, dem es gelang, sich daselbst einen bleibenden Aufenthalt zu sichern. Auch andere jüdische Familien wussten' allmalig die Erlaubniss zur Niederlassung in Dresden zu erwirken; aber unter welchen drückenden Bedingungen und wie hing unaufhörlich das Damoklesschwert über ihrem Haupte! Vor Allem waren es die weisen Väter des Staates, die Landstände, die, mit angeborenem Instincte herausfühlend, dass Feudalismus und Judenbedrückung Hand in Hand gehen und jeder dem Judenhasse abgewonnene Schritt einen Verlust an feudalem Terrain bedinge, die jedesmalige ständische Schrift mit der Bitte schlossen,' ״der Kurfürst möge in weiser Fürsorge für das Wohl des Staates auf Verminderung und Beschränkung der Juden bedacht sein." Mochte jedoch zu jener Zeit der absoluten Herrschaft die. Stimme der Stände nicht schwer wiegen, so hallte ihnen doch zuweilen in dem höchsteigenen Wil- *) Beiläufig sei hier erwähnt, dass vor etwa zwanzig Jahren an einige jüdische Familien zu Dresden Legate aus der Hinterlassenschaft der Gräfin Cosel, der bekannten Favorite August des Starken, ausgezahlt wurden. Sie scheint also von jüdischer Herkunft gewesen zu sein. Hiernach ist die Richtigkeit’ der Angabe bei Yehse, Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen, Th. 5, SV .186, sehr zu bezweifeln.