Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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46 Dr. Bernhard' Beer, eigenen Ich• nimmer vermocht haben würde5 sah sich mit der tiefsten Herzensfreude hierin durch den Mann, dem er seine •Bewunderung zollte, bestärkt, und wandte sich zu ihm, der so licht-, und lebensvoll darthat, dass die religiöse Praxis ihre tiefe Berechtigung habe, mit seinem ganzen Gemüthe hin. Als ein Grundzug seiner religiösen Auffassung mag hier auch bezeichnet werden, dass ihm die Form selbst flüssig geworden war: er rang darnach und errang es, sie zu vergeistigen, in dem scheinbar Starren einen geistigen, belebenden .Kern und Inhalt zu finden. Feind der einseitigen willkürlichen Symbolisirung, die sein klarer Geist schon deshalb von sich wies, weil sie dem Obscurantismus und dem Aberglauben in die Hände arbeitet, glaubte er mit so vielen ihm vorangegangenen Denkern, dass auch den dem Bereiche des religiös Ceremoniellen angehörehden -Vorschriften ein tieferer Geist zu Grunde liege, es der Ausdruck eines höheren göttlichen Gedankens sei, den aufzufinden eine der schönsten und befriedigendsten Lebensaufgaben sei. Die Anregung hierzu mochte ihm Hartwig Wessely durch seinen Commentar zu Leviticus und seine sonstigen, durch ihre edle hehr. Diction anziehenden Schriften gegeben haben, zu deren Lectüre er zeitlich durch den Vater hingeleitet wurde. . Machen wir auch eine grosse Lehrerin namhaft, an deren Hand er durch sein ganzes Leben ging: die Natur. Dresdens glückliche Lage zwischen sanft sich erheb enden Hügeln und an dem langgestreckten 'Elbstrome bewahrt jedes nur irgend empfängliche Gemüth vor der, Bewohnern grosser Städte häufig eigenen prosaischen Trockenheit; auf Beer’s lebendige Empfänglichkeit übte sie einen mächtigen, ihn fast bis zur Schwärmerei für Naturschönheiten hinreissenden Reiz. Der junge Mann erging sich häufig in der bekannten, zu jener Zeit noch nicht durch Ueberbrückungen und mannigfache Comforts leicht zugänglichen Bastei; dort labte er sich an dem Anblicke der sich selbst überlassenen Natur, an den sich thürmenden Hügeln und Bergen und jäh abstürzenden Abgründen־, schon in früheren Jahren hauchte er in einer