Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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D1\ Bernhard Beer. 45 ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts in Sachsen herrschte, mochte den Juden den Zutritt zu einem Gymnasium sehr beschwerlich machen; aber ihn trieb der innere Wissensdrang, und er erwarb sich theils an der H.and von Privatlehrern, noch mehr aber durch seinen eigenen Genius geleitet, die innige Bekanntschaft mit den Schriften der alten Und neuen Klassiker. Nennen wir unter׳ Letzteren seine zwei grossen Lehrer: Herder und Mendelssohn. Herder’s ״Ideen zur Geschichte der Menschheit“ wirkten elektrisirencl auf den jungen Mann; die Klarheit und Milde, die diese Schrift kennzeichnen und sie als Monument der Humanität in ihrer reinsten Bltithe noch späteren Generationen werth machen werden, fanden in ihm, dessen Geist lebhaft nach Klarheit rang und der ein tiefes Gemüthsleben lebte, den stärksten Widerhall. Noch massgebender war für ihn Mendelssohn, an dem er mit fast heiliger Begeisterung bis an das Ende seiner Tage hing. Mendelssohn suchte mit der alle seine Schriften bezeichnenden Klarheit die Vereinigung der freien philosophischen Forschung mit dem geoffenbarten jüd. Glauben nachzuweisen, und hob mit pointirter Schärfe den Vorzug des Judenthums hervor, das Denkfreiheit gestattet. Was konnte dem, einerseits im Offenbarungsglauben mit allen Fasern seines Denkens und Fuhlens wurzelnden, andererseits zum Forschen über die höchsten Wahrheiten sich gedrängt fühlenden jungen Manne willkommener sein, als einen Leiter zu finden, unter dessen Aegide er den etwa erwachenden Zwiespalt zwischen Glauben und Denken auszugleichen hoffen durfte? Mendelssohn war ihm ferner auch ein Vorbild, auf das er in der Praxis des Lebens sein ganzes Augenmerk richtete. Der jüd. Berliner Philosoph war bei der von ihm so hochgehaltenen Denkfreiheit nicht nur ein treuer Anhänger der Gesetze seines Glaubens, sondern übte auch mit ungemeiner Genauigkeit die Ceremonialvorschriften, sein religiöser Lebenswandel war ganz der Strenggläubigkeit entsprechend. Beer, dem durch Beispiel und zeitliche Angewöhnung das Religionsleben in seinen Einzeln!!eiten Gemüthsleben geworden war, von dem zu trennen er ohne Aufgeben seines