Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 Dr. Bernhard Beer. in dem Knaben entwickelten. Die Sorgfalt seiner, mit innerer Herzensfrömmigkeit einen nicht unbedeutenden Grad allgemeiner Bildung verbindenden Eltern richtete sich zunächst darauf, durch geeignete Lehrer, denen der liebevolle Vater sich selbst anreihete,. dem Sohne das Nass des Wissens der heiligen Schrift und der talmudisehen Kenntnisse zu eigen zu machen, deren zu jener Zeit jeder die Achtung seiner Nitbrüder beanspruchende jüdische Jüngling bedurfte. Aber nicht religiöses Wissen allein sollte den Sohn zieren, es wurde zeitlich Veranstaltung getroffen, dass er mit der deutschen Literatur und den neueren Sprachen bekannt werde. Dresden, durch seine kunstliebenden Fürsten schon damals seit einer . Reihe von Jahren der Sitz, wenn auch nur auf der Ober־ fläche sich haltender allgemeiner Bildung, hatte einen fast alle Schichten der Bevölkerung durchdringenden Parfüm feinen Anstandes, der durch die enge Verbindung Friedricli August’s mit dem Kaiser der Franzosen und die französische Occupation noch vermehrt wurde. Auch die Juden Dresdens blieben hiervon nicht unberührt, sie nahmen an der allgemeinen Zeitrichtung Theil. Der strebende Geist des jungen Beer erhob sich bald über seine Umgebung; seinem ernsten Geiste konnten äusserer Anstrich und Bildung nicht genügen, ein innerer Drang trieb ihn, sich in den Quellen des Wissens zu vertiefen. Damals lebte zu Dresden ein junger Mann, Rudolph Meyer, der mit bedeutender Kenntniss neuerer Sprachen klassische Bildung verband; an ihn schloss sich der Jüngling an, er wurde •ihm Rathgeber und Leiter in seinen Studien. Sehr wohlthuend wirkten ferner auf das Streben Beer’s Umgang und Vorbild der ihm durch Blutsbande verwandten gelehrten Brüder S. Bondi und des noch lebenden Dr. M. Bondi,. Verfasser des werthvollen lexicographischen Werkes Or Esther. So bildete sich allmälig die Grundlage für das umfangreiche Wissen, das, in seinem Geiste aufgespeichert, ihn später auf vielen Gebieten der Literatur heimisch und schöpferisch zeigte. Er hatte nie eine öffentliche Anstalt besucht; der beengte und beengende Geist, der in den