Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bericht, verlesen bei der jährlichen Sitzung der Société Asiatique, den 29. Juni 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Bericht, verlesen bei der Sitzung die orientalischen Studien sehr verdient gemacht, dass er auf eigene Kosten sich einem so schwierigen und lästigen Unternehmen, wie die vollständige Ausgabe dieses Werkes ist, unterzog. Zamakschari schliesst in seinem Commentar vorzüglich an die historische Seite des Coran und an die Legenden an, in welchen Muhamed eine Anspielung macht, und die Veröffentlichung von Lees ist umsomehr gerade jetzt^an der Zeit, als die historische Kritik sich mit dem Coran unter neuen Gesiehtspunkten beschäftigt, welche eine Menge zuvor kaum berührter Fragen in’s Leben rufen. Die Ansicht des Mittelalters über Muhamed war sehr einfach: sie hatte ihren Ausdruck in dem Epitheton ״der grosse Betrügerund damit war Alles gesagt; die Abstufungen und Einzelheiten schienen überflüssig, da es sich ja um einen Verworfenen handelte. Später, und je mehr die muhamedanischen Nationen auf hörten Furcht einzuflössen, änderten sich die Meinungen so sehr, dass man im vorigen Jahrhundert in ihm einen fast philosophisehen Gesetzgeber erblickte. In unserer Zeit können wir ihn sine ira et studio beurtheilen, und Dank einer Reibe von gelehrten und ernsten Arbeiten, die seit ungefähr 20 Jahren erschienen sind, beurtheilen wir ihn mit einer unendlieh genaueren Kenntniss der Thatsachen. Aus einem kurzen Ueberblick über das Leben Muhamed'8, den Reinaud kürzlich veröffentlicht bat, kann man ersehen, an welchem Punkte die Arbeiten der historischen Kritik über diesen Gegenstand angelangt sind, und was noch zur näheren Bestimmung der Rolle, die dieser Mann in der Welt gespielt hat, übrig bleibt. Heutzutage pflegt man an ihm eine grosse Kundgebung, oder, wenn man lieber will, eine grosse Abirrung des prophetischen Instinetes der semitischen Race*) zu bemerken, der, besonders bei den Arabern, bis auf unsere Tage eine so grosse Anzahl halb politischer, halb religiöser Reformatoren hervorgebracht bat. Man will am Islam die jüngste der grossen Weltreligionen studiren, welche die Zeit, in der sie entstanden, der historischen Beobachtung und Forschung zugänglicher macht, als jede andere. Man will den Mann und seine Zeit erkennen und seinen Erfolg sich erklären; man will in diesen geheimnissvollen Charakter ') Wohl nach Herrn Renan’s Hypothese! D. R.