Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Marocco
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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407 Zur Geschichte der Juden in Marocco. Ein charakteristischer , weiteren Vermuthungen Raum gehender Moment ist, dass diese portugiesischen Kriegsgefangenen häufig den in der Judenstadt Marocco’s 116genden'Acker besuchten , auf welchem die Juden ihre Todten bestatteten; er stiess an die Gärten des Kaisers, und dort weilten■ sie so gern, ״lieber als unter den Lebenden wandelten sie auf den Grabhügeln dieser Todten,“ und wenn dann von Zeit zu Zeit auch die Juden und Jüdinnen dorthin kamen, ihre Abgeschiedenen zu beweinen, so trösteten sie sich gegenseitig und gedachten der früheren Zeiten. Sie nannten sich nicht anders als geliebte Brüder1). Vielleicht aus .Dankbarkeit für die Zeichen der Liebe, welche die afrikanischen Juden den portugiesischen Granden an den Tag legten, haben portugiesische Granden einige Thaten der Nachwelt überliefert, welche edel und ruhmvoll genannt zu werden verdienen und dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen, dass gerade Schriftsteller sie erzählen, die sonst alles Gute und Edle von den Juden gern verschweigen. Konnten doch selbst die Mauren es über sich gewinnen, diese Geschichten zum Ruhme der Juden zu erzählen. Als ein Xarif sich einst in die Nothwendigkeit versetzt sah, zur Unterdrückung ausgebrochener Unruhen zu Felde zu ziehen, und nur wenige Mannschaft auf bringen konnte, ertheilte ihm einer seiner Vertrauten den Rath, zwei- oder dreitausend Juden zu bewaffnen: ״an Waffen fehlt es uns nicht, die Juden sind Männer, tapfer und muthig wie wir.“ Der Xarif ging auf den Vorschlag ein. Nach wenigen Tagen war ein ganzes Regiment, schön und prächtig, gebildet. Der Xarif freute sich bei dem Anblick der dreitausend schlagfertigen Juden, welche gegen den Feind rückten und mit den Mauren vereint als Sieger heimkehrten; er ertheilte ihnen grosses Lob über ihre Leistungen und stellte sie den Mauren als Muster auf, bewilligte ihnen auch noch besondere Privilegien־). 1I Mendoca 123a. 2) Ibid. 89a. Sebastian de Mesa, Jornada de Africa (Barcelona. 1630,41), 103.