Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Marocco
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
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406 Zur ,Geschichte der Juden in Marocco. in tiefe Unwissenheit versunken, Aberglauben tritt an Stelle des reinen, lauteren Glaubens, und in ihrer geistigen Verkommenheit bürdeten sie sich Ceremonien auf, welche den frommen Romaneli mit Ekel und Widerwillen erfüllten. Als Geschäfts- und Umgangssprache bedienen sie sich noch heute des spanischen Idioms als, der Sprache des Landes, aus welchem ihre Vorfahren vor Jahrhunderten einwanderten, sie rechnen sich noch heute zu den Sephardim; von dem alten Glanze ihrer spanischen Ahnen, von der alten• Liebe zur Wissenschaft, welche diese während ihres Weilens im Heimathslande beseelte, von der Geistesgrösse und dem Adel ist, man kann es nur mit Bedauern sagen, nichts mehr vorhanden. Welche herrliche ■ Züge hat nicht die Geschichte von den Juden Marocco’s aus früherer Zeit verewigt! Mit web ehern Entzücken sprechen nicht selbst spanische und pertugiesisehe Schriftsteller von ihrem Edelmuth und ihrer Gastfreundschaft! Als nach der unglücklichen, überaus blutigen Schlacht an dem kleinen Flusse Macazem, in welcher• Sebastian von Portugal die Krone und noch zwei andere Könige mit ihm das Leben verloren, die vornehmen Portugiesen in •den maroccanischen Städten als Gefangene weilten, wurden sie von den , dort ansässigen Juden mit solcher Liebe und solchem Wohlwollen behandelt, als ob es ihre Verwandten wären. Ein portugiesischer Grande, der sich unter den Gefangenen befand, weiss die Freundschaftsdienste, welche die Juden ihren ehemaligen Landsleuten bewiesen; nicht genug zu rühmen. Weinend kamen ihnen die jüdischen Frauen entgegen, sie beklagten, tausendfach, wie Mendoca sich ausdrückt, von der pyrenäischen Halbinsei verbannt zu sein, sie unterhielten sich mit ihnen in der Heimathssprache, es waren fast lauter Spanier und Portugiesen, von denen ihnen noch manche von Lissabon aus bekannt waren, und die Gefangenen fühlten sich bei ihnen so wohl, als ob sie in ihren eigenen Häusern wären1). *) Hieronymo de Mendoga, Jornada de Africa (Lisboa, Crasbeak, 1607, 4.), 85, i23a.b.