Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 4)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 397 gebildeten Juden nicht nur nicht fremd, sondern es haben viele an seinem Geist und an seinen Schriften sich heran gebildet; und wenn etwa die jüngere Generation ihm fern stehet, so trifft dieser Vorwurf nicht den Juden allein. Herder’s grosse Ideen sind Gemeingut geworden, und es wird, wie häufig, über dem grossen Werke der Meister vergessen. Der dritte Aufsatz ״Enthüllungen und Streiflichter. Zur Frage der Schulverfassung von Simon Szanto" bespricht mit scharfer und geistreicher Kritik die bisherigen jüd. -österreichischen Schulzustände. Der Verfasser weist nach, was hier durch Massregelung von oben verdorben wurde und noch verdorben wird, wie die Schule durch die Sucht nach Uniform!- rung, und Lehrer und Schüler in die Zwangsjacke zu pressen, zu der Geist und Aufschwung tödtenden Anstalt werden musste, wie sie es in Oesterreich (hier nicht nur die jüd. Schule) ist. Nur wer je Augenzeuge dieser Zustände war, vermag diese Schilderung ganz zu würdigen; dem Fernstehenden wird es fast ünglaublich scheinen, dass ״die Fürsorge von oben" den Jugendunterricht heilsam durch die Verordnung zu überwachen vermeinte, es haben die von Privatlehrern unterrichteten Schüler sich jedes Semester vor dem ordentlichen Schullehrer zur Prüfung zu stellen. Natürlich hatte jeder Schüler an den von der väterlich staatlichen Fürsorge mit dieser Prüfung beauftragten öffentlichen Schullehrer für .die jedesmalige Semestralpriifung eine Prüfungssteuer zu entrichten; natürlich hing über .jedem Privatlehrer jedes Semester das Damoklesschwert, da Alles auf die geäusserte Zufriedenheit des Schullehrers ankam, und was ferner natürlich, der Lehrer trichterte dem Schüler die Lehrgegenstände handwerksinässig ein, damit er ja vor dem examinirenden Herrn Schullehrer bestehe. Was aber noch mehr unnatürlich, das ganze Schulwesen wurde ein Memorir- und Papageiwesen; auch aus den־ öffentlichen Schulen wich Geist und Verständnis8, da gab es eine vorgeschriebene Methode und vorgeschriebene Lehrbücher, da war es nur auf ein Auswendiglernen, auf ein buchstäbliches Nachplappern abgesehen. Selbst auf dem Gebiete des Religionsunterrichts wurde und wird noch an vielen Seiten das Auswendiglernen als mustergültig betrachtet: und die Religion soll Wurzel fassen in dem Herzen des Schülers, soll nicht für die Schule, sondern für das Leben er-