Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 10 · p. Seite 389

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 10
Article
Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
Date
1861-01-01
Page
Seite 389 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2829132-2829262-2829273-2858025--06317-2858064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Jadenth. 389 Quacksalber mögen das Halbdunkel, womit die Phantasie gewohnlich Friedhöfe umgibt, zu ihren Zwecken ausgebeutet haben, und es ist bekannt, dass der Staub vom Grabe frommer Männer d em Volksglaub en als bewährtes Heilmitt 61 gegen das F ieb er galt62). Mit der Verbreitung des Islam mehrte sich auch unter den Juden der Aberglaube in dieser Beziehung. Der im zehnten Jahrhundert lebende Karäer Abulsari Sahal b. Mazliach legt eine ganze Musterkarte der götzendienerischen Gebräuche seiner rabbanitischen Zeitgenossen vor: sie sitzen auf den Gräbern, weilen auf den Friedhöfen, beten zu den Toditen, legen ihnen. Gelübde ab und sprechen: 0 Jose der Galiläer, heile mich, gib mir Nachkommen 1 Sie zünden Lichter an, räuchern und tanzen auf den Gräbern der Frommen, und hängen zur Ab- .Wendung von Krankheiten Weihegeschenke auf die Friedhofspalmen63). — Isaac b.Scheschet (XIV. Jahrh.) berichtet ausdrücklicli, dass die spanischen Juden seiner Zeit nach dem Vorgänge der Mohammedaner die sieben ersten Trauer tage auf den Begräbnissort wallfahrteten. In Saragossa wurden die Leidtragenden in den sieben ersten Trauertagen von der ganzen Volksmenge aus der Synagoge nach Hause geleitet. Unterwe- 82) קבריה דרב הוו שקלו מניה עפרא לאישתא בת יומא (Synh. 47b). שבעה עפרי משבעה סוכרי.לאישחא תילתא לייתי (Sabb. 67 a nach der richtigen Leseart im Arucli 8. v, 1 סכר; unsere Talmudausgaben haben סינרי. Feber סוכרא vgl. oben Anm. 58). Damit hängt auch die Redensart: מן יהיב לןימעפריה דרב ושמואל ומלינן עייניך (Oholin 68b) zusammen. Der Ausdruck: ומלינן עיינין ist mit der arabischen Phrase zu vergleichen. — In Narbonne kniete gewöhnlich das ganze Publikum nach der Beerdigung aufs Grab nieder, um den Staub desselben zu küssen (כלבו ה' אבל). Dass die Leiche selbst geküsst zu werden pflegte, geht aus Ber Rabba c. 63: גש ה נא ושקה לי אמר לו אתה נושקני בקבורה ואין אחר נושקני בקבורה hervor, im Mittelalter glaubte man, wenn ein Vater eines seiner gestorbenen Kinder küsst, verliere er alle übrigen (Rokeach § 316; מעבר יב״ק p. 90b). *8) ואיך אחריש ודרכי עובדי ע״ז בין מקצת ישראל יושבים בקברים ולנים בנצורים ודורשים אל המתים ואומרים יא 10) ר' יוסי הגלילי הבטינני ומדליקין הנרות על קברי הצדיקים וטקטירין לפניהם על הלבנים וקושריןעקדין על התמר של צדיק לכל מיני חלאים והוגנים על קברי הצדיקים ונוררין להם Pinsker נדרים.וקוראין אליהם ומבקשים מהם לתת להם הפצם (לקוטי קדמוניות, Beilagen S. 32. Vgl. Gr ätz, Gesell, der Juden V, 340).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.