Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 13)
- Language
- German
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388 Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenth. ״weisst du, was die To dt en bei deiner Tliat denken: Die un§ heute kränken, werden morgen schon hier unten ruhen!“ (jeiv Berach. p. II)59). Die Friedhöfe wurden, wie noch heute im Orient, fleissig besucht, entweder, um durch den Anblick der Gräber zur Demuth gestimmt, mit desto grösserer Innigkeit beten zu können (Taan. 16a), oder um die Erinnerung an das frühere Zusammenleben mit den Hingeschiedenen in sich wachzurufen und stille Zwiegespräche mit denselben anzuknüpfen. So besuchte Juda b. Tabbai, der als Ab-beth-din einen Justizmord begangen hatte, das Grab des unschuldig Gerichteten (Maccoth 5b; Chag. 16b) und R. Josua, der sich in Betreff einer religiösen Streitfrage in Opposition־ zu den Schülern Schammai'8 befand und nachträglieh von der Haltlosigkeit seiner eigenen Ansicht überzeugt wurde, schwor auf den Gräbern derselben seinen Irrthum feierlieh ab (Ghag. 22b). Auf dem Grabe ausgezeichnet Frommer pflegte man auch religiöse Vorträge zu halten (הושיב ישיבה* B. Kama 16b), die bei hervorragenden Gelehrten an dem jedesmal wiederkehrenden Todestage erneut wurden60). Andererseits knüpften sich ׳manche abergläubischen Vorstellungen an den Bestich der Friedhöfe. Trotzdem das Uebernachten auf dem Gottesacker allgemein für gefahrbringend gehalten wurde (Nidda 17a) und den dieser Sitte Huldigenden in der öffentlichen Meinung zum ״Narren" stempelte (Chag. 3b), pflegten nichtsdestoweniger Charlatane und Schwärmer, die sich um jeden Preis in geheimnissvollen Rapport mit den Todten setzen und die Zauberiehrünge spielen wollten (כדי שתשרה עליו רוח הטומאה)* derartige Mondscheinbesuche den Geistern abzustatten61). Auch 59) Die Berach. 19b berichtete und der gangbaren Ansicht widersprechende Thatsache: □מדלגין היינו ע״ג ארונות של מתי erweist sich eben durch die Einschränkung לקראת מלכי ישראל וכו׳ als Ausnahmefall. 60) Raschi zu Jebam. 122 a aus den Responsen der Geonim. — Eine alljährlich wiederkehrende Todtenfeier war auch bei den Parsen und den Christen der ersten Jahrhunderte üblich. Vgl. Spiegel, Avesta II, XLII und die daselbst p. CXXII, Anim. 2 aus Tertullian angefülirten Stellen. 6ב) An den אובא טמיא (Sabb. 152b) — דורש אל המתים und an die dcu[10vtg6[1£v01 in vcov (mv^slcov i^£q%6^£vov[ (Matth. 8, 28) soll hier nur erinnert werden.