Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 9)
- Language
- German
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384 Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenth. ergreifende Leichenrede halte, ״denn" — fügte er. hinzu — ״ich werde zugegen sein und deine Worte mit anhören“ (ib. 153a). Die Leichenreden wurden wahrscheinlich bei den einzelnen Stationen des Leichenzuges oder in dem der Familie des Verstorbenen gehörenden Klagehause49), oder auf dem Gottesacker, zuweilen auch in den. Synagogen gehalten (Meg. 28a). Bei dem Leichenzuge des R. Jehuda hanasi nach Beth־Schea,rim wurden achtzehn Stationen gemacht oder — nach einer anderen Erklärung— hielt die begleitende Menge bei achtzehn Synagogen an, um die daselbst gehaltenen Leichenreden mit anzuhören50). R. Seira hielt einem Gesetzesjünger — und Rafrem seiner eigenen Schwiegertochter die Leichenrede in der Synagoge (Meg. 28b). Es scheint hie und da Sitte gewesen zu sein, dass,die Verwandten des Verstorbenen für die demselben geschenkte Theilnalime dem Publikum eine besondere Dankrede hielten. Als die Söhne des R. Akiba starben — erzählt der Talmud (M. K. 21b) — strömte eine grosse Menschenmenge zur Trauerfeier. Nach beendeter Feier bestieg der trauernde Vater die Tribüne (עכלף על ספסל גדול) und richtete folgende Ansprache an das Volk: ״Vernehmet es, israelitische Brüder! Wenn meine Söhne im Brautstände verstorben wären, so hätte die von Euch erwiesene Ehre genügt, um mich zu trösten. Galt Euer Erscheinen etwa nur meiner Stellung? Gibt es ja Viele meines gleichen! Doch ihr dachtet, das Gesetz Gottes ruht in seinem Inneren, und brachtet also der von mir vertretenen Lehre eine Huldigung; wahrlich! Euer Lohn wird zwiefach sein, ziehet heim in Frieden!" Bruchstücke einzelner Klagelieder und Leichenreden haben sich erhalten. Die Aufforderung zum Miteinstimmen in den Klagegesang lautete in Palästina: ״Weinet mit ihm, Ihr, die Ihr betrübten Herzens seid!"51) Die Weiber des durch seine spöttischen Bewohner bekannten Ortes Schechanzib hatten eigene, mitunter schwer verständliche Refrains zu ihren Klageliedern, z. B.: ״Verhüllet und bedecket Euch, Ihr Berge, denn er war der Sohn Hoher und Vornehmer" u. A.52). Verständlicher, weil 49) בית הספד (B.Bath. 100b; Bechor. 52b); מקום הספד (Leth. 84b). 60 jואשירוניה תמני עשרי כנישן (jer. Kii. 1.1. Vgl. Jefe Marehz.st.) 51) יבכון עמיה כל מרירי לבא (äoed k. 8b). 52) Moed K, 28b. Dukes hat dieselben in seiner rabbinischen