Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829262-2829273-2858025--06306-2858053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
378 Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenth.:. nach der Ansicht des Volksglaubens zur Folge, dass der Geist des so Bestatteten an'8 Grab gebannt war und sich dem Reigen der die Welt unsichtbar durchschwärmenden Geister nicht anschliessen konnte (Beracli. 18b). Dass der Sarg mit verschiedenen Zierrrathen, Emblemen, Kronen (Sota 1. 1.) geschmückt war, ist bereits bemerkt worden. Auf den Sarg ausgezeichneter Gelehrten wie R. Huna und frommer, um das Gemeinwohl verdient er Könige wie Chiskija wurde eine Gesetzesrolle gelegt, um den Eifer der Verstorbenen in Erforschung und Bethätigung der Lehre anzudeuten. Diese Sitte wurde später dahin modiücirl, dass die Gesetzesrolle der Bahre vorgetragen wurde28). Auf den Sarg der im Banne (נדוי) Verstorbenen liess der oberste Gerichtshof durch einen Delegirten einen Stein zur Sühne legen (Ber. 19b; Moed K. 15b). Die Rabbinen des Mittelalters betrachteten den einmal verhängten Bann durch den Tod erledigt und schafften die talmudische Sitte der Steinigung des Sarges vollständig ab29). Heber den Sarg der im Brautstande Verstordenen wurden mit allerlei Zierrathen versehene Baldachine gespannt, und überhaupt ihnen zu Ehren ein bedeutender Luxus entfaltet (Semach. c. VIII). Man pflegte den Sarg auch mit Myrtenreisern zu bekränzen (Beza 6a) und die Anwendung von Räucherwerk, ursprünglich auf einzelne Fälle beschränkt, wurde später zur stehenden, bei vornehmen Personen mit verschwendorischem Luxus durchgeführten Sitte (Moed K. 27b; Ber. 53a; Jos. Ant. XV, 3, 4). Eine Art Libation (זלוף) auf der Bahre den Todten zu Ehren mag auch hie und da üblich gewesen sein (jer. Schekal. II,;hal, 7). — Die französischen Juden des Mittelalters pflegten aus dem Tische, der während ihres Lebens Zeuge ihrer Freigebigkeit und Gastfreundschaft gewesen war, ihre Särge zimmern zu lassen30). In Spanien (speciell in Gerona) nahm man nach dem Zeugnisse des R. Nissim b. Reuden (XIV. saec.) von dem Gebrauche der Särge Abstand und 28) קיים זה מה שכתוב בזה, b. Kama 17a; Moed k. 25a. 29) RGA des R. Salomo b. Aderetli tV5 229, 265; V. 236; חרושי רץ ZU Synh. 68 a. Beide Autoren berufen sich auf R. Meir Abulafia. 30) Bachya b. Ascher im Pentateuch-Commentar תרומה und im כד הקמח.