Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Worms und des deutschen Städtewesens
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 15)
- Language
- German
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und des deutschen Städtewesens. 375 sich auf’s Neue wieder, erhob. Die vertrockneten Knoeben erhielten wieder Mark und Saft, sie richteten sich auf und stimmten Gott dem Herrn ein Loblied an. — Welche Macht hat Israel erhalten, welche Kraft hat es vor dem Versinken und vor der Verfallenheit gerettet? — Diese Macht und Kraft übte die jüdische Lehre und der jüdische Glaube. Fügen wir noch hinzu: Der von maneben Seiten verschriene und verketzerte Talmud hat die- 868 Wunder bewirkt; denn eben in derZeit, die wir skizzirten, wurde das Studium des Talmud eitrigst gepflegt, und in Worms lebten eine Reihe der vorzüglichsten Celebritäten auf diesem Gebiete. Dieses sittlich bildende Moment des Talmuds muss zur Anerkennung kommen. Es sei uns noch ein Wort gestattet: Unsere Zeit ist eine andere, das Verhältniss der Monarchen, Bischöfe und Bürger ist heute den Juden gegenüber, abgesehen von dem nexus subditelae, ein anderes als früher; der Jude hat einen erhöheten Grad von Selbstbewusstsein durch das grössere Mass von Bildung erlangt, und in demselben Grade als er sich höher achtet und stellt, kommt man ihm auch in anderer Weise als früher entgegen. Es muss aber gewürdigt werden, dass sämmtliche deutsche Kaiser, die wir zu nennen Gelegenheit hatten, ohne Rücksicht auf ihre Ansichten über Religion und Glauben, sich der Juden annahmen, mit Ausnahme Carl IV. Es war nicht blos, um der Wahrheit die Ehre zu geben, das Gefühl der Menschlichkeit, auch das Motiv der Nützlichkeit war dabei massgebend. Der Grundsatz: Salus reipublicae suprema lex esto, machte es zur gebieterischen Nothwendigkeit, die Juden zu schützen; denn sie waren nützlich. Wenn auch heute die Juden zumeist keine Judensteuer etc. mehr zahlen, so bestehet dieses Motiv noch. Die Speculation, das Feld, welches noch jetzt die Juden cultiviren, denen sich in neuester Zeit Bürger und Adel angeschlossen, ist eine Wünscheiruthe, welche die tiefvergrabenen Schätze hebt. Die Bischöfe stehen jetzt fast ausser aller directer Beziehung zu den Juden. Wenn auch da und dort der Versuch gemacht wird, längst verschollene Saz-