Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Worms und des deutschen Städtewesens
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829262-2829273-2858024--06296-2858045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
370 Zur Geschichte der Juden in Worms nissen, die Matthias ebensowenig wie seine Vorgänger und Nachfolger zu überwinden vermochte. So sehr wir auch heute das Resultat nicht als ein günstiges vom Standpuncte der Gerechtigkeit und Menschlichkeit betrachten können, so müssen wir ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass er nach besten Kräften ein Schirmherr der Juden war und sie, so weit er es vermochte, vor Unbilden schützte. Nach dem Tode Matthias wollten die Wormser neuerdings den Moment benutzen und die Juden ״aus ihren Privilegien treiben.“ Jacob Fröscliels*) aus Prag wendet sich an den neuen Kaiser Ferdinand II. und bittet um die Bestätigung der Privilegien für die Juden in Worms, ״als die Eltiste Synagoge im Reich;“ hierauf erfolgt die Antwort von Seite der Reichshofkanzlei in Frankfurt a./M. (Beilage XXIV), dass der Kaiser nach seiner Ankunft in der Residenz, und in dem Hoflager, und wenn das Archiv und die Registraturen der Reichshofcanzlei geöffnet sein werden, die zur Zeit gesperrt sind, die Angelegenheiten untersuchen wird, und sie in ״reifte vnd vleissige erwegung ziehen.“ Bis dahin aber sollen die Bürger zu Worms die Juden unbeirrt und ungekränkt lassen. Ferdinand II. bestätigte dann die Rechte der Juden, und ist diese Gonfirmatio gleichlautend der oben angeführten von Matthias* 2). Nach dem Tode Ferdinands II. brach auf’s Neue der Streit aus, und die Wormser Bürger dessen die Zwischenzeit bis zur Confirniation nicht unbenutzt dahingehen; sie steigerten die Steuern, der Juden, erhöhten den Mietlizins, das Kauf-, Einschreib-, Schloss- und Metzelgeld. In Folge der Klagen der Juden setzte Ferdinand III. wieder eine Commission ein. Der Churfürst von Mainz und die Bür- נ) Es ist uns nichts Näheres über den Mann bekannt, und was ihn dazu berechtigte, für die Wormser beim Kaiser einzuschreiten. Es kommt übrigens sehr häufig vor, dass Juden Vorschläge und Projecte in Angelegenheiten des Staates machten, — darunter fehlt es auch nicht an Vorschlägen, wie die Steuern der Juden zu erhöhen etc. 2) Einige Urkunden von Ferdinand II. heziiglich Worms sind in meiner Schrift: Ferdinand II. etc. abgedruckt. S. daselbt Beilage VIII. und XIII.