Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 10 · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 10
Article
Zur Geschichte der Juden in Worms und des deutschen Städtewesens
Date
1861-01-01
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829262-2829273-2858024--06291-2858040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und des deutschen Städtewesens. 365 ־ Juden nachlassen (Beilage XV). Es ist haarsträubend, in welcher Weise die ״ehrenhaften“ Bürger zu Worms gegen die Juden verfuhren. Die Weltgeschichte ist nicht arm an Nachrichten über schauderhafte Thaten; die jüdische Geschichte erzählt deren noch mehrere. Wir bekennen aber aufrichtig, es empören uns weit weniger Wuthausbrüche, in Folge deren die Juden in den Rhein und in die Donau gejagt, oder welche ganze Stadtviertel einäscherten und Menschen aus wilder Mordgier abschlachteten —- Wuthausbrüche sind eben Geburten momentanen Wahnsinns, die nicht mit gewöhnlichem Massstabe gemessen sein wollen—; als jene besonnene raffinirte Bosheit,׳ die klüglich die Sache überlegt und mit kaltem Verstände abwägt, wie das Verderben herbeizuführen ist1). Die Juden wurden nämlich in ihrem Ghetto den grös ׳ sten Theil des Tages eingesperrt. Des Morgens wurden die Thore um 8 Uhr geöffnet und Nachmittags um 4 Uhr wurden sie wieder gesperrt. Kein Jude durfte sich ohne Gefahr vor oder ausserhalb der Stadt sehen lassen. Vor 9 Uhr Morgens durfte kein Jude auf dem Markte etwas einkaufen. Das Rindvieh der Juden 'wurde von der Weide weggetrieben und ״sogar auch den Kindern in der Wiegen solle kein Milch zukauffen gestattet werden“2). *) Za jener Zeit zog* der Rabbiner zu Worms, Veit Munkר nach Wien. Derselbe hatte bereits früher in Wien gelebt' und ging nach Worms, wo er fünf Jahre Rabbiner war. 1614 zog er wieder nach Wien und war daselbst Vorsteher der Juden. Diesem Manne und nach dessen Tode seiner Frau, war es gestattet, eine ■Synagoge in Wien zu halten. Wir werden an einem anderen Orte Näheres über ihn berichten, dessen Wirksamkeit für die Juden mir nicht bekannt ist. Nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Dr. Zunz wäre Nro. 77 der ״Inschriften des alten Friedhofes in Wien1', abgesehen von den Correctüren und Druckfehlern, die von Veit Munk. 2) In der neuesten Zeit hat das Zunftwesen einen harten Stoss erlitten lind selbst der' Name ist aulgegeben. Zunft ist identisch mit Zopf und Rückschritt geworden. Unter dem Banner der Zünfte wurde nicht blos jede geistige Regung unterdrückt; die Zünfte waren es auch, welche mit starker Faust jede. Regung und Bewegung der Juden bis in die neueste Zeit zu verhindern •strebten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.