Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Leichenfeierlichk eiten im nachbibl. Judenth. 347 teil minder ehrenvollen Begräbniss ausweichen wollte (B. Mezia 84b), während die Nachrichten, dass Kerodes die Leiche eines Mädchens sieben Jahre lang in Honig conservirte (B. Bath. 3b) und dass Chija b. Abuhu den Schädel des Königs Jojachin in Seide gehüllt in einem Schranke verwahrte (Synh. 82a, 104a), ihren legendarischen Charakter nicht verläugnen können. Die Bestattung der Todten war eine so selbstredende. Forderung der Menschlichkeit, dass man ursprünglich an eine Sanctionirung durch das religiöse Gesetz oder an eine Begründung durch die Schrift nicht denken mochte. Erst in späterer Zeit, als die jüdische Religion im günstigsten Falle nur eine neben der Ave stalehre tolerirte war, stellte sich die Nothwendigkeit heraus, für den im eigenen Kreise hochgehaltenen, von gegnerischer Seite verabscheuten Brauch der Beerdigung apologetisch in die Schranken zu treten. König Sapores befrägt R. Chama um eine biblische Belegstelle für die Berechtigung der Todtenbestattung und die jüdischen Gesetzeslehrer legen sich in Folge dessen die Frage vor, welcher Grund der eigentlich massgebende sei, ob die bei den meisten Völkern des Alterthums tief empfundene Schande des über der Erde verwesenden Leichnams oder der Umstand, dass der Körper gewissermassen zur Sühne und Läuterung dem Schosse der Muttererde zurückgegeben werden müsse3). Die Entscheidung für den einen oder anderen Grund ist mehr von practischer Bedeutung und alterirt den dem Brauche zu Grunde liegenden sittlichen Gedanken in keinerlei Weise. Der letztere Grund rechtfertigt die Bevorzugung der Beerdigung im heiligen Lande, dessen Boden man eine in höherem Grade wirksame sühnende Kraft zuschrieb4), während die Berücksichtigung des ersten Grundes die Rabbinen in Jammia veranlasst, zur Erinnerung und zum Danke für die glücklieh zu Stande gebrachte Bestattung der am Tage von Betar Gefallenen einen eigenen Segensspruch der Liturgie einzuschalten (ל הטוב והמטיב Berach. 48b) Taan. 31a). So hoch wurde diese fromme Sitte im Judenthüme gehalten, dass die Agadisten 3);קבורה משלם בזיונא הוא או משלם כפרד (Synh. 46b). 4) 'כל הקבור בארץ ישראל כאלו קבור תחת המזבח וכו (Ketub. 111a). Derselbe Gedanke wird in mehreren Erzählungen und Aussprüchen im jerus. Kilajim IX, hal. 4 sqq. variirt.