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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 9 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 9
Article
Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
Date
1861-01-01
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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346 Die Leichenfeierlichkeiten im naehbibl. Judenth. ׳ wie es von den Parsen in Folge ihrer bekannten Gräberscheu geübt wurde, als an eine Entweihung der Leiche, als an eine unberechtigte Störung des ״ewigen Schlafes" (Jerem. 51, 39, 57.) nur mit Schrecken gedacht wurde, wurde von den bei Egyptern und anderen Völkern üblichen, auf eine vollständige Conservirung des Körpergerüstes abzielenden Massregeln abgesehen. Die Einbalsamirung mag nur in seltenen Fällen bei hochgestellten Personen angewandt worden sein, einzelne andere Fälle von Conservirung der Leichen sind als Ausnahmen zu betrachten oder ganz und gar in das Bereich der Legende zu ver- . weisen. . Wenn die Leiche des Eleasar b. Simon in Folge seiner eigenen letztwilligen Verordnung etliche und zwanzig Jahre lang von seiner Frau in der Dachstube aufbewahrt wurde, so geschah dies aus dem ausdrücklich angegebenen Grunde, weil der Verstorbene einem ihm von seinem erbitterten Collegen zugedach- הכרס נבקעת על פניו ואומרת לו הא לך מה שגזלת וחמסת ונתת בי (jer. Moed Kat. 111ר hal. 5; vgl. b. Sabb. 151b). Nach einer andern Ansicht besteht noch ein volles Jahr hindurch ein zeitweiliger Verkehr zwischen Seele und Körper und erst nach Verlauf jener Zeit schwin* det jeder Kapport zwischen den beiden Lebensfactoren (Sabb. 152b). Die erste Ansicht findet sich wie so manches Andere aus dem späte* ren Judenthume auch im Volksglauben der Parsen, denn diese glau* ben, wie aus zahlreichen Stellen im Vendidad, Minökkired und anderen Schriften hervorgeht, dass die Seele des Menschen noch drei Tage nach' ihrem Scheiden aus dem Körper auf der Welt bleibe (Spiegel, Avesta, die heiligen Schriften der Parsen II, XXXVIII). Das Gericht über die Todten wird nach Anschauung der Parsen erst in der dritten Nacht nach dem Tode begonnen (Vendid. Farg. XIX, 89 ff. und Spiegel’s Noten). Ueberhaupt hat die parsische Eschatolo* gie mit der jüdischen zahlreiche Berührungspunkte. Schon Spiegel (Avesta I, 35 ff.) hat auf ewige ״auffallende Aehnlichkeiten£C hingewiesen, die aber aus dem Grunde von keinem grossen Belange sind, weil für die Ermittlung der jüdischen Lehren nicht die primären Quellen, sondern das sehr späte, kabbalistisch gefärbte Werkchen אבקת רוכל benutzt wurde. Andere von Spiegel übersehene, weit wichtigere Ana* logien können aus dem .Talmud beigebracht werden. So entspricht, um nur ein Beispiel anzuführen, die Vorschrift des Avesta (Vendid. f. XII, 27), dass für die verstorbenen Sünder zwölf Monate lang gebetet werden müsse, dem talmüdischen Ausspruche: משפט רשעים נגיהנום י״ב חודש.

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