Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenth. 345 Die Leichenfeierliclikeilcn im nachbibl. Judenthume. Von Dr. J. Perles. Die an die letzten Ehren im nachbiblischen Judenthume sich knüpfenden Gebräuche, obgleich dem umgestaltenden Einflusse der jedesmaligen Zeit wie alle anderen Gebräuche unterwerfen, obgleich durch die Berührung mit der Zendreligion, dem Islam und der späteren Kabbala von ursprünglicher Einfachheit zur Bereicherung durch fremde Zuthaten fortschreitend, tragen im Allgemeinen einen Charakter der Milde und Ruhe an sich, den die Begriffe des Judenthums von der menschlichen Würde und die eschatologischen Vorstellungen desselben nothwendig bedingen. Das Judenthum erblickte in dem sterbenden Menschen nicht ein der Individualität beraubtes, in der grossen Weltsubstanz untergehendes Atom, sondern das zu einer höheren Daseinsstufe gelangte Wesen, das, die den unzerstörbaren Geist während dieses Lebens umschliessende Hülle abwerfend, zur rein geistigen Existenz eingeht. Daher einerseits die Be- Schränkung einer masslosen Trauer um den Verstorbenen und anderseits die dem todten Körper als dem einstigen Gef äss des Geistes vorzugsweise zugewandte Sorgfalt, während der ab geschiedene Geist selbst in seiner Ruhe belassen und erst in später Zeit, als christliche Seelenmessen und mohammedanischkabbalistische Sinnlichkeit in'8 Judenthum eindrangen, mit Todtengebeten und anderen fremdartigen Gebräuchen behelligt wurde. Der todte Körper wurde aber auch nur insofern beachtet, als man sich zwischen ihm und dem entflohenen Geiste noch einen fortbestehenden Zusammenhang dachte, als man von der poetischen Anschauung ausging, dass die diess- und jenseitige Welt ineinander hineinragen und sich gleichsam in einem Kusse berühren1), dass also die Trennung der beiden Lebensfactoren keine plötzliche sein könne6, der Geist vielmehr noch mehrere Tage hindurch seine alte Herberge umschwebe und erst in dem Augenblicke von ihr vollständig Abschied nehme, nachdem ihr der Tod sein unverkennbares Zerstörungsmahl aufgedrückt hat2). Während also an das Aufwühlen der Gräber, סכותה לראשי ביום נשק (תהילים ק״ם). ביום ששני עולמות (י . נושקין זה אחיזה העולם הזה יוצא והעולם הבא נכנס(.jer. Jebamot p. xv) . כל חלתא ילבזין נפשא טייסא על גופא סבורה ההיא חזרה לגביה כיון(2 ההיא חמיא דאשתני זיויהון דאחיי היא שבקא ליה ואזלא לה. לאחר ג' ימים