Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829262-2829271-2857917--06227-2857960- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
314 Rezensionen und Anzeigen. setzen fanden, in den poetischen Erzeugnissen völlig verschwind den. Hier •finden wir im Gegentheil einen' lebendigen Fluss der Sprache, eine prägnante Schärfe des Ausdrucks, eine ausrieh״ inende Gewandtheit in der Versification, und ganz besonders eine Vollsaftigkeit der Schilderung, die uns sonst, nur bei orientalischen Dichternbegegnet. Wir machen in dieser Beziehung auf die zwar kleinen, aber überaus ergreifenden Gedichte ״Danae" S. 324,. ״Frühlingsregen" 8. 331 und ״Sonnenuntergang" 8. 348 aufmerksam.. Wir wissen nicht, ob68 ׳ irgend einem Dichter so leicht gelingen möchte, Worten die Macht des Pinsels zu leihen. Aber wir-müssen, es auch zum Lobe des Herrn Verfassers aussprechen, dass er die Schilderung, auf den Fon des . gemüthlichen Erzählens und des scherzhaften Fabulirens geschickt herabzustimmen weis8, wo. der behandelte Stofi* es erfordert. Recht entsprechend' sind in dieser Hinsicht die Gedichte ״Schiller als Feldscheer" 8. 194,״ ׳Herr von Schiller" 8. 198, ״Kaiserin und Bischof" 8, 277. Was wir mit einem leisen Tadel anzumerken hätten, das sind die hie und da wiederkehrenden Versehen in der Aufeinanderfolgeder Reime, wie sich ein solches in das sonst ungemein ansprechende Gedicht ״Ein Wiedersehen‘/ 8. 281 mehrfach eingeschlichen hat. Ferner sind es die ungereimten. Verse, die mitunter die Wirkung des Gedichtes in hohem Grade beeinträchtigen. , Es ist besonders diesem Umstande zuzuschreiben, wenn z. B. das ziemlich umfangreiche Gedicht ״Militsch, der Fahnenträger" 8. 295 — das fibrigen8 einen an sich nicht gerade interessanten Stoff behandelt — den Leser unbefriedigt lässt. Diese an Heine erinnernde ungebundene Behandlung der gebundenen Rede dürfte selten auf die Dauer ansprechen, wenn ihr nicht ein ausserordentlicher Schwung der Sprache und eine genaue Beachtung des rhythmischen Wohlklangs zu. Hilfe käme. Indessen darf der Herr Verfasser bei den hervorragenden Vorzügen seines Buches mit Sicherheit auf Nachsicht gegen diese ohnehin nur selten wiederkehrenden Versehen rechnen. Aber ein anderer Punkt ist es, auf den wir den Herrn Verfasser ernstlich aufmerksam zu machen nicht unterlass’en können. Wir wollen es im Allgemeinen dahingestellt sein -lassen, inwieweit das individuelle Glaubensbekenntniss eines Dichters die poetische Darstellung religiöser oder religionsgeschichtlicher Momente beeinflusst. Soviel aber ist gewiss,