Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 14)
- Language
- German
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310 Lewi .ben Gerson (Gersonides)־ ׳ gegeben. Mit dieser einen Antwort fallen die meisten Fragen, welche von •den früheren Aristoteles erklären! gegen die Möglichkeit, dass Gott von den nur der sinnlichen Wahrnehmung zugänglichen Dingen Kunde habe, aufgeworfen und von Gersonides reichlich aufgezählt werden. Wir glauben uns daher den Dank ■des Lesers zu verdienen, wenn .wir diese beträchtliche Anzahl.von Fragen übergehen. Klar ist aber, dass Maimoni’s Antwort nur dann befriedigt, wenn wir auch die Materie von Gott ausgehen lassen. Wird zum Vorhandensein der Einzeldinge noch ein selbstständiger Faktor hinzugedacht, so gibt es allerdings ein Gebiet, von dem im göttlichen Wissen, das als ein Wissen seiner selbst zu •fassen ist, Nichts, vorkommt, das Gebiet der in die Materie versenkten Einzeldinge. Gersonides nun acceptirt allerdings den maimoni dis eben Gedanken, dass das :Wissen Gottes ein anderes als das menschliehe, nämlich ein apriorisches sei, polemisirt aber — mit vollem Rechte von seinem Standpunkte aus, aber mit Verkennung des maimonidischen — gegen die Behauptung Maimoni’s 3 dass das Wissen Gottes auf alle Einzeldinge als solche׳ sich erstrecke. Von dieser Verkennung nun trägt Maimoni insofern selbst die Schuld, als er seine Ansicht über das Wissen Gottes nicht in und •aus dem von uns angegebenen Zusammenhänge vorträgt, sondern einfach jede Frage gegen die Denkbarkeit der Omniscienz Gottes damit ah schneidet, dass er auf die völlige Verschiedenheit unseres und des göttlichen Wissens hinweist und nur eine Namens gleichheit (Homonymität) ohne jede Sachgleichheit annimmt. Gegen diese Art nun, die Verschiedenheit zu fassen, erklärt sich Gersonides. 'Wir sprechen Gott, meint er, gewisse Eigenschaften ab, wie z. B. dass er ein Körper sei, dass er sich bewege, und andere, weil diese Eigenschaften'Un- Vollkommenheiten involviren, andere schreiben wir ihm zu, wie das Wissen, das Leben und ähnliche, weil diese Eigenschaften Vollkommenheiten sind. Sollten nun diese Eigenschaften, indem wir sie Gott beilegen, Nichts, als Namens gleichheit mit uaseren Eigenschaften haben, so könnte weder von Vollkommenheit noch von Unvollkommenheit dabei die Rede sein. Vielmehr ist die־ Verschiedenheit zwischen unserem und dem göttlichen Wissen so .auszudrücken, dass Gott ein ursprüngliches Wissen, uns ein abgeleitetes zukomme, gerade wie die Existenz, Ein-