Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829262-2829271-2857916--06221-2857955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
als Religionsphilosoph. 309 ein apriorisches und intuitives aufzufassen sei. Gott erkennt die Dinge nicht wie wir von den Dingen aus (a posteriori), sondern indem er sich, die alleinige Ursache von Allem, erkennt, erkennt er alles aus dieser Ursache stammende Einzelne. Gott erkennt nicht die Theile und durch sie das Ganze, sondern in der Erkenntnis8 des Ganzen sind ihm die Theile lemisirt. Wir können es uns nicht versagen י hier die Schlussworte mitzutheilen und damit Kant, Vorlesungen über die philosophische Religionslehre, herausgegeben von Pölitz, S. 208 ff. zu vergleichen: אבל כבר השיג זה ספק והוא שיהיה השם ית' סכל מה שבכאן ולוה רחקו אנשים לומר שהוא אינו יודע מה שבכאן אבל בידיעה כוללת לא חלקית והאמת שמצד שהוא יורע עצמו לבד יודע כל הנמצאות במציאות אשר הוא עלרה למציאותם וכו' ולזה דהירה שם הידיעה-, נאמד על ידיעתו ית׳ וידיעתנו וזה שידיעתו היאסבת הנמצא והנמצא (blosse Namensgleichheit)בשתוף השם סבה לידיעתנו והנה ידיעתו ית' אינה מתוארת לא בכוללת ולא בחלקית וכו' Kant an der angeführten Stelle: ״Die Vorsehung Gottes theilt man gewöhnlich ein in providentiam generalem und specialem. Unter der ersten versteht man diejenige, da Gott alle Geschlechter und Arten (genera) erhält, unter der letzten aber eine solche, da er auch für die species (für in juristischem Sinne Individuen) sorgt. Der Ausdruck generalis wird hier zum Unterschied von universali in dem Verstände genommen, als wenn bei einer solchen generalen Vorsehung noch viele Ausnahmen gemacht würden u. s. w. . . . Allein dieser Begriff von der göttlichen Vorsehung ist offenbar ganz anthropomorphistisch. Denn u. 8. w. . . . Aber Gott bedarf überall keiner Erfahrung, sondem er erkennt Alles a priori, weil er selbst Alles, wofür er sorgt, erschaffen hat, und Alles nur durch ihn möglich ist. Diese Allgemeinheit der göttlichen Vorsehung ist nicht logisch, so wie wir Menschen uns allgemeine Regeln entwerfen, wodurch wir die Merkmale der Dinge klassificiren, sondern real; denn sein Verstand ist intuitiv, da hingegen der unsrige nur discursiv ist. Es ist daher unverständig, sich in dem höchsten Wesen nur eine Vorsehung im Ganzen (generalis) zu denken, weil es ja nicht fehlen kann, dass er alle einzelnen Theile erkennen kann. Vielmehr ist seine Vorsorge ganz allgemein (universalis), und dann fällt der Unterschied von einer providentia speciali von selbst weg.“ Es versteht sich, dass wir nicht meinen, Kant sage hier dasselbe was Averroes. Averroes war und blieb bei allen Ansätzen zum Monismus Dualist. Welchen Einfluss aber wir diesem Mangel zuschreiben gerade auf unsere Frage, ist aus dem Texte ersichtlich. Aber man wird darum doch nicht meinen, dass keine geschichtliche Verbindung hier herrsche. Von Maimoni und Averroes kam der Gedanke an die Scholastik, und die Vorlesungen Kant’s, von denen wir reden, lehnen sich an Baumgarten und Eberhard, in denen man die scholastischen Lehren finden kann.