Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 11)
- Language
- German
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307 als Religionsphilosoph; c) Abhandlung über das Wissen Gottes’. ״ So abstrus immerhin der •Gegenstand auch dieser Abhandlung ist, so kann sie doch insofern für eine der interessanteren im Milchamot gelten * als in ihr die principielle Differenz zwischen dem Gersoniden und dem Maimoniden am schärfsten zu Tage tritt. Gersonides hat das vor Maimoni voraus, dass er sich bei der Frage, wie man sich das Wissen Gottes zu denken habe, als ein consequenterer Aristoteliker zeigt, Maimoni aber Etwas, das höher steht als die Consequenz, nämlich das nur nicht bis zum völligen Gelingen auftretende Streben, die Schranken des Aristotelismus zu durchbrechen. Wie’ Gersoni״ des die Frage löst, musste ein Aristoteliker antworten, der im Systeme, mindestens wie man es damals verstand, verharren wollte, wie Maimoni antwortet, bedurfte es allerdings'eines neuen, den Dualismus des Aristoteles gänzlich überwindenden Systems, um diese Antwort erst zu einer befriedigenden zu machen. Merkwürdigerweise nämlich־ ist der Unterschied, wie beide Männer über das Wissen Gottes sich vernehmen lassen, ein solcher, dass wir selbst ihn als tiefer liegend und inniger mit der principiellen Differenz, die überhaupt zwischen Beiden obwaltet, im Zusammenhang stehend erklären müssen, als sie selbst es aussprechen. Bekanntlich ist Maimoni der erste Aristoteliker, der sich nicht begnügte, Gott als den Sjmnder der Formen, als den Architekt der Welt, zu fassen, sondern der auf ihn auch die Materie zurückführte, und da er Gott nicht neuplatonisch, sondem als denkend und wollend fasste, der zuerst den Begriff der Creation in den Aristotelismus hineinbrachte. Auch war es ihm ausreichend gelungen, die aristotelischen Beweise für die Ewigkeit der Materie zu entkräften. Ja selbst die Nothwendig-. keit der Annahme eines zeitlichen Anfanges des Kosmos verstand er probabel zu machen1). Aber die Lücke, die er dabei liess, war eine sehr empfindliche. Die Art nämlich, wie er seinen neuen Standpunkt, den der Creation, mit־ dem alten, dem neuplatonisch gefärbten Aristotelismus, bei dem auch die Ernanation eine Rolle spielt, verbindet, ist' mehr eine Verquickung U Vergl. über das Gesagte •unsere Schrift: Die Religiönsphilosophie des Maimonides S. 14—18.