Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
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306 Lewi ben Gerson (Gersonides) . ־ ׳ aber ist. er. dadurch' unterschieden, dass er eben nur das Dies- 8eit8 in.. .seiner Vollkommenheit kennt, was jenseits liegt, erkennt er nur in der unvollkommenen Weise, wie die Wirkung *die sie, selbst hervorbringende Ursache. - ׳ Wir übergehen die weiteren Schwierigkeiten, die sich .durch diese Fassung des שכל הפועל (des Ergeistes) dem Gersonides bieten und ebenso deren Lösungen, um jetzt festzustellen, wie er seine Theorie vom Erdgeist und dem Einflüsse der Sphären auf das Diesseits für die •Beantwortung der Frage nach dem Unterschiede zwischen Prophetie und Wahrsagung benutzt. Die Prophetie, meint G., ist eine Mittheilung des Geistes an den Geist. Der der. Gesammtheit .der diesseitigen Dinge vorstehende Geist theilt sich dem Geiste des Propheten mit. Darum ist Grundbedingung für die Prophetie die Stärke der ־ geistigen Anlage, genauer *die Fähigkeit, den Geist, zu isoliren, d. h. ihn so thätig sein zu lassen, dass die Sinnen-, und Phantasiethätigkeit für eine Weile gänzlich aufhört und er so geeignet wird, die Mittheilung des allgemeinen Geistes zu empfangen. , Als Mittheilung eines das Ganze; überschauenden Geistes ist die Prophetie darum auch untrüglich mit der alleinigen Ausnähme, welche die Freiheit des Menschen zu bewirken im Stande ist. Die Wahrsagung hingegen ist eine Wirkung je eines der auf die irdischen Dinge influirenden Himmelskörpers — diese galten bekanntlich in der gesammten griechisch-arabischen Phi- 10Sophie als beseelt — an die Phantasie des Wahrsagers. Trüglich ist die Wahrsagung deshalb, weil sie die Mittheilung nur eines Theilfaktors ist, da ja, wie bereits bemerkt, die Hirnmeiskörper erst in ihrem Zusammen das Diesseits gestalten und bestimmen. Von der geistigen Tüchtigkeit, aber unabhängig ist die Wahrsagung deshalb, weil sie nur eine Stärke der Phantasie verlangt, nämlich die Fähigkeit, die Phantasie isolirt thätig sein zu lassen. Daraus erklärt sich denn, warum Kinder und geistig untüchtige Menschen oft zur Wahrsagung geeignet sind. Ohne uns auf den Werth dieser Antworten und auf weitere׳ Fragen, die G. aufwirft־, einzulassen, gehen wir zu den in dieser Abhandlung bereits vorbereiteten Abhandlungen über.