Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
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304 Lewi ben Gersoa (Gersonides) sig, meint er, ergeben sich folgende Unterschiede: 1) ■Wenn auch das Prophezeien nicht erlernt werden kann, so setzt doch die Prophetie ein Lernen voraus, daher denn auch in der Schrift von Propheten schulen und Prophetenjüngern die Rede ist. 2) Es gehört za den Bedingungen der Prophetie, ein Wei- 8er zu sein, nicht aber zu denen der Wahrsagung, da auch Rindern und Thoren dergleichen zugeschrieben wird. 3) Die Prophetie ist unfehlbar, und die alleinige Ausnahme von dieser Unfehlbarkeit ist nur die, dass die menschliche Willensfreiheit das von Seiten des natürlichen Zusammenhanges Nothwendige abwenden kann. Die nichtprophetische Wahrsagung hingegen trügt einfach durch Nichterkennen der natürlichen Nothwendigkeit. Wir sind, meint G., durch diese Unterschiede wohl genöthigt, einen Art unterschied zu setzen, und es handelt sich nur darum, diesen Artunterschied auch zu begreifen. So schwierig das nun auch ist, 80 lässt sich doch etwas Haltbares darüber sagen. Klar ist, dass bei der Prophetie dasjenige Seelenvermögen, welches die Mittheilung des allgemeinen Geistes erhält, der (hylische) Geist ist, weshalb auch die Prophetie und der Grad derselben von der Stufe geistiger Vollkommenheit abhängt, auf welcher der Prophet steht. Umgekehrt kann bei der Wahrsagung nur die Phantasie das empfangende Vermögen sein, da die Wahrsagung auch geistig unreifen Menschen zu Theil wird. Freilich folgt daraus auch mit Nothwen digkeit, dass wie der empfangende, so auch der mittheilende Faktor ein anderer ist, da ja die Phantasie nicht die direkte Einwirkung des allgemeinen Geistes erfahren kann. Gersonides sucht nun diesen anderen Faktor zu bestimmen und benutzt dazu anfcieipirend die Resultate seiner im fünften Traktate geführten Untersuchung über die Sphärenbeweger. Da wir nun ohnehin von dem'bezüglichen Theile des angeführten Traktats nur die Resultate mitzutheilen für' nöthig halten, so erachten wir es für geeignet, die Sache gleich hier abzuthun, wo sie das Verstandniss bedingt. Wie es für die arabischen Aristoteliker darum eine nicht unbedeutende Schwierigkeit war, eine individuelle Unsterblichkeit zu lehren, weil sie nur im Geiste, als dem Allgemeinen