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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 8 · p. Seite 302

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 8
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 Lewi ben Gers.on (Gersonides) nichtprophetische Erkenntniss im Traiime sclieint’, folgende zu sein: - Wiewohl die Auffindung der Wahrheit in der Regel ein spontaner Akt des Geistes ist, indem nämlich mit Wahl und Absicht die geeigneten Vordersätze so aufgestellt werden, dass durch wissenschaftliches Beweis verfahren die gesuchte Erkennt-, niss resultirt, so ist es doch ebenso denkbar wie erfahrungsmassig begründet, dass ein auf gewisse Erkenntnisse mit Energie gerichteter Geist sich selbst da, wo er unabsichtlich thätig ist, wie im Traume, sich im thätigen Besitze von Vordersätzen befindet, aus• denen,die von diesen Vordersätzen bedingte Erkenntniss durch Mitwirkung des allgemeinen Geistes fliesst. Anders lässt sich die Thatsache nicht begreifen, dass man oft im Traume Wahrheiten herausbringt und richtige Schlüsse macht, eine Thatsache', die oft erfahren •zu haben Gersonides von sich selbst bezeugt. Vom prophetischen Wissen nun ist zwar anzunehmen, dass es unmittelbare Mittheilung ist, aber nicht in dem Sinne, dass es nur eine Mittheilung der Resultate, sondern in dem anderen, dass dem Propheten auch die in den Vordersätzen liegende Begründung des Resultates bekannt ist. Befremdlich und schwieriger zu erklären erscheint nur das Erfahren von Heilmitteln im Träume und insofern das als Faktum anzuerkennen sei, lässt sich annehmen, dass auch die Heilmittel wie die Zufälle ihre Bestimmung und Ordnung von den Himmelskörpern haben, so dass der־ Sehnsucht des Kranken oder des Arztes nach einem Heilmittel die Mittheilung durch die Himmelskörper entspricht. ־ Als weitere Probleme ergeben sich für Gersonides folgende Fragen: Ha der allgemeine Geist (שכל הפועל) dem Propheten und ebenso dem nichtprophetischen Wahrsager die Mittheilungen macht, so scheinen diese Mittheilungen unmöglich individueller Natur sein zu können. Nun aber betreffen diese Mittheilungen erfahrungsmässig bestimmte einzelne Vorkommnisse, bestimmte einzelne Personen und bestimmte einzelne Zeiten. Wie lässt sich das erklären? Ferner ~ eine Frage, die schon von Aristoteles aufgeworfen — woher mag es kommen, dass die Wahrsager meistentheils die Schicksale ihrer Bekannten, Freunde, Volks- und Stammesgenossen eher kennen als die fremder Personen:? Endlich woher kommt die Gradverschieden-

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