Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 8 · p. Seite 301

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 8
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829262-2829271-2857916--06213-2857947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

als Religionsphilosoph. 301 Lebensberufes, 80 käme es zu keiner Theilung der Arbeiten. Niemand würde den •niedrigeren Beruf wählen, der doch auch in einer menschlichen Gemeinschaft nicht entbehrt werden kann. Hier ist die Natur zu Hilfe gekommen. Denn was wir Neigung zu einem Berufe nennen, das ist eben die Gebundenheit durch die Vorherbestimmung, die freilich keine absolute Gebundenheit ist, da die Freiheit ihrer Herr werden kann. Selbstverständlich nun geht das Wissen der Zukunft auf diese, insofern sie nothwendig ist, umspannt aber nicht dieselbe, so weit sie von der Freiheit anders gestaltet werden kann. Die zweite Frage, die Gersonides aufwirft, ist: Wer bewirkt im vorherwissenden Menschen das Vorherwissen? Die Antwort ist: Dieselbe wirkende Intelligenz, die überhaupt Sein- und Er״ kenntnissgrund der hiesigen Dinge ist, der energetische Geist, der שכל הפועל♦' Die Himmelskörper, von denen die Rede war, wirken, so zu sagen, nur als seine Organe. Als drittes Problem beschäftigt ihn die Frage: Ist eine prophetische oder der prophetischen analoge Mittheilung gedenkbar auch in wissenschaftlichen Dingen, die durch Forschung erreicht werden können? ' Die Erfahrung, meint er, spricht dafür, die Erwägung aus Vernunftgründen scheint dagegen zu sprechen. Die Erfahrung spricht dafür. Denn nicht blos die Propheten sprechen in ihren prophetischen Mittheilungen spekulative Wahrheiten aus, sondem auch gewöhnliche Menschen berichten von Mittheilungen im Traume, die nur durch Forschung scheinen erreicht werden zu können. Die Erwägung spricht dagegen. Denn es kann, so scheint es, für den Menschen nur eine Art zur Erlangung des Wissens geben, nämlich das durch die sinnliche Wahrnehmung und durch Aufstellung von Vordersätzen vermittelte Wissen. Wenn daher Einige den Vorzug des prophetischen Wissens vor dem Wissen gewöhnlicher Menschen darein setzen, dass der Prophet das als unmittelbare Erkenntnis8 hat, was ein Forscher erst aus aufgestellten Vordersätzen folgert, so ist das nicht zuzugeben. Denn damit wird das prophetische Wissen nicht gehoben, sondern herabgesetzt. Das wahre Wissen ist das Wissen aus den Gründen, die eben in den Vordersätzen enthalten sind. Die richtige Auffassung vielmehr zunächst für die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.