Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
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299 als Religionsphilosoph. im Alter von seclis ׳'bis ,sieben Jahren die Gabe der Wahrsagung hatte.’. Ferner berichtet er von einem Manne, der im Traume ein Heilmittel für seine Krankheit angab, das er gar nicht kannte, und der durch dieses Heilmittel hergestellt wurde. Aehnliches .berichtet er von seinem eigenen Bruder und von noch zwei anderen Persohen. .Wenn man weiss, dass noch in dem auf Gersonides folgenden Jahrhundert, als Kaiser Sigismund die Frage, ob es Wehrwölfe gäbe, •wissenschaftlich debattiren liess, entschieden wurde, dass eine solche. Verwandlung ein positives und vielfach constatirtes Faktum sei1), so wird man über die Zweiffellosigkeit, .mit der Gersonides an die berichteten That- Sachen glaubt, nicht erstaunen. Besserer Art ist, was er• von sich selbst erzählt, dass er nämlich zur Zeit, wo er sich viel und ausschliesslich mit metaphysischen Spekulationen herum- ׳ trug, oft im Traume aus Vordersätzen richtige Schlüsse zog und so Wahrheiten herausbrachte. In gleicher Weise berührt er auch die Ahnung als zu seinem Problem über die Möglichkeit des Vorherwissens gehörig. Nur eine Wunderlichkeit,ist nicht auf seine Rechnung, sondern auf Rechnung entweder eines Druckfehlers oder eines missverständlichen Sprachgebrauchs zu setzen.־ Gleich zu Anfänge seiner Abhandlung berichtet er nämlieh, dass das Vorherwissen in Träumen, namentlich bei s chwärzen-Menschen (ובפרט באנשים השחורים) ■sich finde. Der Kuiidige wird an die ״melancholischen (p8Xuy%0hK0iy‘ des Aristoteles erinnert und erkennt in den ״schwarzen“ ,,schwarzgallige“ Menschen2). .; Doch geben wir jetzt die Hauptzüge der immerhin interessanten Abhandlung, die zwar noch in einem späteren Theile des Milchamot3) ihre Ergänzung findet, ohne dass wir diese jedoch schon hier vorwegnehmen können, weil sie von manchem später Abzuhandelnden abhängig ist. ־ Gersonides beginnt mit folgendem Problem: Wenn es ein Vorherwissen des zukünftig Eintretenden gibt, so muss dieses zukünftig Eintretende bereits geordnet und bestimmt sein. Es 1) Adolph Bastian. Der •Mensch in der Geschichte, B. II, S. 33. 2) Der Sprachgebrauch, von dem wir reden, ist die Bezeichnung eines zur Melancholie neigenden .Menschen als נוטה לשחרות. - D Milchamot VI. gegen Ende. 24*