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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 7 · p. Seite 278

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 7
Article
Aus der Vorzeit
Date
1861-01-01
Page
Seite 278 (sequence 5)
Language
German
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278 Notizen. Theilnahme der Juden bei Erönungsfeierlichkeiten. Als Erzherzog Ferdinand von Oesterreich im Febr. 1527 in Prag zum böhmischen König gekrönt wurde, fand ein feierlieber Aufzug statt, wobei, nach der Versicherung eines Augenzeugen, auch die Juden aufgestellt waren: ״Als Königliche Majestät auf den Platz kamen, so gestanden ob denn (— mehr denn) tausend Juden mit einer grossen schönen Fahne, sie haben auch einen Himmel gehabt, daran eine Tafel gehangen und darauf die 10 Gebote auf’s Zierlichste geschrieben, um Willen 86. Königliche Majestät unter den Himmel einzuführen, Se. Königliche Majestät hat aber solches keineswegs gestatten wollen. Danach haben sie Seine Königliche Majestät aufs unterthänigst gebeten, dass Seine Königliche Majestät sie bei den 10 Geboten, ihrem Glauben und dem A. T. als frumme Juden wolln bleiben lassen. Solches hat ihnen Königliche Maj estät Zusagen lassen, und dass er wolle ihr gnädigster Herr sein." Derselbe Monarch hielt am 8. November 1558 zum ersten Male seinen feierlichen Einzug in Prag als Kaiser, und auch diesmal gingen ihm die Juden in reichem Zuge entgegen. 18 weis8 gekleidete Jünglinge eröffneten ihn (so erzählt der gleichzeitige Matthäus Collinus von Choterina), die grosse Fahne, die sie herumtrugen, war mit hebräischen Charakteren bemalt; andere ebenfalls weiss gekleidete Knaben sangen dann hebr. Psalmen nach verschiedenen Melodien. Darauf kamen Greise in schwarzen Mänteln und nach ihnen 11 ihrer Religionsdiener, 6 trugen einen kostbaren, purpurrothen, mit Gold durchwirkten Traghimmel, vor welchem 4 aus ihnen einhergingen•, der erste trug über den Himmel, in ein Goldstück eingehüllt, die Pergamenttafel, auf der die 10 Gebote geschrieben standen. Nun folgten wieder Psalmensänger, deren Melodien ebenfalls verschieden waren, nach ihnen 10 ihrer Aeite8ten in mit Mardern- und schönen Fuchspelzen gefütterten Kleidern; gleich darnach die Schiiler der Synagoge in veilchenblauen Mänteln, die Köpfe mit feinem Leinenzeug bedeckt, endlich junge Knaben in weissen Hemden, deren Halskrausen mit Gold gestickt waren. So zogen sie auf den grossen Ring der Altstadt, von da gegen die Brücke, nahe an welcher sie rechts, dem Zollhause gegenüber, ihre Stelle einnahmen. (Hormayer, Gesch. Wien'8.)

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