Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aus der Vorzeit
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 4)
- Language
- German
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Notizen. 277 vorragendes Beispiel, der Sattler’schen Geschichte des Herzogthums Würtemberg, 10. Thl., 8. 208 entnommen, mag dies he- Wahrheiten. Unter dem Herzog Friedrich 1597 von Würtemberg suchte ein Jude, Namens Maggino Gabrieli, um Aufnahme in Würtemberg nach und erbot sich, die Waaren billiger als die anderen Kaufleute zu liefern. Der Herzog, ausländische Waaren und Geld liebend und den Handel gern befördernd, überhaupt den Juden günstig, obschon den Calvinisten abhold, wollte dem Gesuche entsprechen, wobei wohl auch sein Bath Enzlin, der häufigen Verkehr mit den Juden hatte, grossen Antheil gehabt haben mag. Sein Hofprediger, Dr. Lucas Ossiander, zugleich Abt zu Adelberg, machte ihm harte Vorstellungen deswegen, der Herzog aber entsetzte ihn deshalb seiner Predigerstelle und seiner Prälatur. Auch der Landstand legte sich in'8 Mittel und wies den Herzog darauf hin, dass die Duldung der Juden im Herzogthum den alten Verträgen, königlichen und kaiserlieben Mandaten, Freiheiten und Landtags-Abschieden entgegen wären, und die früheren Herzoge letztwillig die Verbannung der Juden aus Würtemberg bestimmten. Der Herzog erwiderte, dass die Juden dem Lande vorteilhaft seien und der Kaufleute übermässigen Wucher dämpfen. Der Landstand setzte entgegen, wie die Juden ״nagende Würmer" seien, nur kostbare Waare, Sammet, Seide, Perlen, Edelsteine etc. einführten, wodurch den Leuten das Geld aus dem Beutel gelockt und für immer in fremde Länder geführt würde, dagegen eine Sache eingebracht würde, die der Pracht, Wollust und Hoffahrt fröhnte, auch durch sie der Kipperei in Münzsachen Thür und Thor geöffnet wäre. Doch alle diese Einwendungen waren bei dem einsichtsvollen Herzoge ohne Wirkung, Gabrieli erhielt mit 7 Personen Aufnahme. Doch beschränkte er sie vielfach, gab ihnen den Namen Hebräer, weil der Name Jude verhasst war, und suchte es so einzurichten, dass dem Hasse des Volkes alle Nahrung genommen wurde und die Eingewanderten unangefochten blieben.