Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Über den Verfasser des Nischmath und das Alter der Piutim
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 5)
- Language
- German
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216 Ueber den Verfasser des Nischmath Spuren bei den Kirchenvätern erhalten, gehabt, und höchst wahrscheinlich aus solchen ebionitischen Quellen geschöpft hat. Das Verhältnis8 des Petrus zu Paulus ist im N. T. uiid nameiitlieh in der •Apostelgeschichte und den Briefen des Paulus^ trotz des eifrigen Bemühens, dasselbe in Harmonie ■und Einklang zu bringen, voll Widersprüche und Zweideutigkeiten.' (Vgl. Win er, bibl. Handwörterb. s. v. Paulus.) Ueber die Zerwürfnisse und Spaltungen klagt Paulus an vielen Stellen, wie z. B. 1. Corinth. 1,12. 3, 4 u. 22: ,,Ich sage aber davon, dass unter euch Einer .spricht: Ich bin Pauli sch; der Andere: Ich bin Apollisch; der Dritte: Ich binKephisch; der Vierte: Ich bin Christlich.“ Galat. 2, 7—16 wirft Paulus dem Petrus Heuchelei und Perfidie vor. 2; Corinth. 11, 3. 4 u. 12, wo Paulus sich beklagt über die 8paltungen und Parteiungen, welche sein Ansehen untergraben und ihn nicht als echten und legitimen Apostel anerkennen, wollen. Ibid. 11, 5. Diese heftige Polemik währte lange Zeit’ hindurch und wurde mit der grössten Erbitterung geführt. DieEbioniten, sagt■ Schwegler, Nachapostol, Zeitalter I. 171, sahen in Paulus fortwährend nur einen A p.o 8 taten vom Gesetze, sie verwarfen seine Briefe und verfolgten ihn mit den leidenschaftlichsten . Schmähungen. Sie behaupten von ihm, wie Epiphan. TIaer. 30, 16 u. 25 berichtet, er sei von Geburt gar kein'Jude, sondern ein Grieche gewesen und, von heidnischen Eltern abstammend, erst später ein Proselyt geworden. Um seine Feindseligkeit gegen . die jüdische Religion psychologisch zu erklären, verbreiteten sie die Sage, er habe, obwohl von Geburt Heide, um die Tochter des jüdischen Hohepriesters geworben, und zu diesem Behufe sich beschneiden lassen; da er jedoch seine Absicht nicht erreicht, habe er aus Rachsucht gegen Beschneidung, Sabbath und mosaisches Gesetz geschrieben. Die Spuren dieser ebionitischen Feindseligkeit gegen Paulus ziehen sich durch die ganze jndenchristliche Literatur des nachapostolischen Zeitalters hindurch. Wie ihn schon die Apokalypse (21, 14) indirect aus der Zahl der Apostel ausgeschlossen, ja ihn nicht undeutlich als falsehen Apostel bezeichnet hatte, so sucht ihn die älteste kirchliehe Ueberlieferung hinauszudrängen, herabzusetzen, hinter Petrus zurückzustellen u. 8. w. Es sind uns zu wenig literarisehe Dokumente aus jenem Zeiträume geblieben, um eine vollständigere Reihe von polemischen Aeusserungen etc. aufführen