Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zu einer Einleitung in den Talmud
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 3)
- Language
- German
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188 Beiträge zu einer Einleitung in den Talmud. Codex nicht eignen, nicht aufnehmen mochte, oder die, da er .aus dem Munde Vieler das zerstreute Material sammeln musste1), nicht zu seiner Kunde gekommen war2). Durch die Anführung dieser letztem Halachot vervollständigt der Talmud die Mischna; sie erhält also hier nicht nur ihre Erklärung, sondern es wird ihr Ausbau vollendet. Betrachten wir den Talmud als Sammelwerk der Meinungen früherer und späterer nachmischnischen Autoren. Hier ist er aus einem doppelten Gesichtspunkte aufzufassen: aus der Zu״ sammengehörigkeit mit der Mischna und aus der freien, sich selbst tragenden Geistesthätigkeit. Die nachmischnischen Autoren interpretiren die Mischna oder knüpfen durch Analogien und sonstige logische Deductionen an sie an, sie stellen aber auch Sätze auf, die ihren Schwerpunkt in sich haben, in der Vernunftgemässheit, die ihnen der Autor zu geben versucht. Einen reichhaltigen, in der Mischna nur selten auftauchenden Factor bildet hier ferner die Hagada, der grosse Kreis religiöser und ethischer Sprüche und Sagen, die in das Meer der halachischen Sätze und Discussionen hineingeworfen, mit ihnen und unter sich häufig in einem kaum schwachen Zusammenhänge stehen. ,Ist doch selbst in den halachischen Th eilen mitunter der Zusammenhang nur schwer wahrzunehmen; die Stellen sind weder nach Materie noch nach Autoren aneinander gereihet, und man erkennt fast allenthalben, ■die Masse des Materials habe eine Höhe erreicht, die die Redactoren nicht zu bewältigen vermochten. Hervorzuheben ist ferner: es liegen zwei Talmude vor, der babylonische und• der palästinensische, gewöhnlich der jerusalemische benannt. Jener enthält die Meinungen, Erklärungen u. 8. w. der zu Babylon lebenden Lehrer, die auf den Akade׳־ mien zu Nehardea, Sura, Pumbedita, Mechusa u. a. a. 0, wirk־ 8am waren, und umfasst einen Zeitraum von etwa drei Jahrhunderten. Als Gründer der Akademien und Verbreiter des Studiums in Babylon wird Rabbi Abba bezeichnet, vorzugsweise ג) Vgl. Hodegetik S. 193. 2) Ueber das dieser Annahme scheinbar widersprechende רבי י^א ישנה ד חייא מנליה gedenken wir an einem anderen Orte Manches ausführlich mitzutheilen.