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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 4 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 4
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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142 Xewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. Klar ist nun vor Allem, dass der ״erworbene Verstand" die Entelechie des ״hylischen Verstandes" ist, die ihm zu Theil wird durch den ״allgemeinen Verstand." Nun gibt es freilich unter den Erkenntnissen des Verstandes solche, die eine sinnliehe Beimischung zu haben scheinen. Das sind diejenigen, die auf sinnliche Wahrnehmung zurückgehen. Aber man muss bedenken, dass die hylisehen Formen (die Formen der sinnlich wahrnehmbaren Dinge) es nicht sind, die der Verstand aufnimmt, sondern die Formen, wie sie in dem allgemeinen Verstände sind, obwohl die hylisehen Formen zur Erwerbung der geistigen Formen verhelfen. Daraus würde denn auch folgen, dass der erworbene Verstand ewig ist, denn, was er denkt, ist Vernunft ohne jede sinnliche Beimischung. Aber man kann das noch bestimmten aussprechen. Als unbestrittener 8atz kann der gelten, dass das Vergehen den Dingen nicht kommt von Seiten ihrer Form, sondern von Seiten ihrer Materie. Von der Form nämlich kommt das Dasein und das Gute, während die Materie, wenn sie, so zu sagen, der Form nicht gehorcht, d. h. wenn sie als aufnehmende (leidende) Kraft die thätige überwindet, das Vergehen bewirkt. Folglich kann man sagen, dass einer immateriellen Sache die Bedingungen für das Vergehen fehlen. Deutlicher wird das, wenn wir noch einmal überlegen, was die Früheren bewogen haben kann, von einem Vergehen des erworbenen Verstandes zu reden. Man überlegte etwa so: Der erworbene Verstand hat zu seiner Unterlage die sinnlichen Wahrnehmungen. Da nun diese, die Bedingungen für das Vorhandensein des erworbenen Ver- Standes, vergehen, so vergeht auch er. Ferner: Der erworbene Verstand ist die Entelechie der menschlichen Seele. Da nun die Seele vergeht, so vergeht auch ihre Entelechie. Aber das erste Argument ist falsch aus folgenden Gründen, Man muss die substantielle Ursache unterscheiden von der gewissermassen nur gelegenlieitlichen. Substantielle Ur- Sache für das Vorhandensein der Dinge, also auch aller sinnliehen Formen, ist die Ordnung im allgemeinen Verstände, im שכל הפועל. Folglich, selbst wenn man die, sinnlichen .Formen und ihre Wahrnehmung für die Ursache unseres erworbenen Geistes hält, so sind sie doch nur als die gelegenheitliche Ursache, d. h. als Mittel, nicht.als substantielle Ursache, d. h. als

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