Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 4 · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 4
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1861-01-01
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829262-2829267-2857675--06007-2857714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. 141 er die Absicht, auf diese Untersuchung noch zurückzukomrnen. Kann er so mit Averroes nach zwei Seiten hin sich nicht einverstanden erklären, weder mit seiner Annahme nämlich, dass der menschliche Geist bis zur vollkommenen Erkenntniss des allgemeinen Geistes Vordringen könne, noch auch mit seiner Meinung, die Erkenntniss der diesseitigen Dinge sei an sich entstanden, so widmet er noch den Meinungen des Ibn-Sina und Al-Farabi einen prüfenden Blick, bevor er seine eigene Meinung darlegt. Gegen Ibn-Sina wendet er ein, dass er inconsequent sei, wenn er den erworbenen Verstand für unsterblich halte. Denn da nach seiner Ansicht Alles, was entsteht, auch vergeht, und er von den Vernunfterkenntnissen nur erwiesen habe,. dass sie an sich nicht entstehen, keinesweges aber, dass sie auch im liylischen Geiste nicht entständen, so müsste er auch den erworbenen Verstand für vergänglich erklären. Gegen Al-Farabi, dass sein Einwand, warum der hylische Geist den allgemeinen nicht vollkommen erreichen könnte, weil nämlich sonst die Wirkung mit der Ursache zusammenfiele, nicht stichhaltig sei. Warum sollte denn das auch nicht gehen?. Kommt das schon im Materieilen vor, dass Feuer Feuer wirkt, warum nicht noch eher im Geistigen? Der Beweis hätte von der ISfatur des hylischen Geistes ausgehen müssen und nach weisen, in wiefern er unfähig ist, den allgemeinen Geist vollkommen aufzunehmen. So, meint Gersonides, ist der Gegenstand von Niemand ausreichend behandelt und erwartet noch die sichere Feststellung. Aus den geprüften Meinungen, sagt er, lassen sich als sichere Sätze herübernehmen, sowohl dass die Vernunfterkenntnisse im hylischen Verstände entstehen, als auch dass der ״erworbene Verstand" unvermischt mit der sinnlichen Seite der Seele, ein %03} נבדלqi0xbg) ist. Gibt man nun freilich dem Satze: Alles was entsteht, vergeht, eine unbeschränkte Ausdehnung, so gibt es keine Unsterblichkeit. Dass aber dieser Satz selbst im Sinne des Aristoteles nicht unbedingt gilt, ist anderswo nachgewiesen worden1). Hier frägt es sich, ob er seine Anwendung auf den ״erworbenen Verstand" haben könne. T) Gerson. bezieht sich hier auf Milchamot Tr. VI. Th. I. Cap. 27*.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.