Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
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140 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. seine eigene Gattung aüsmacht. Ja, überhaupt sind die Vernunfterkenntnisse keine Universalien, denen ausserhalb des Denkens die Realität nicht entspräche. Denn weder wird das Universale erkannt nach der Seite,, nach welcher es eine blosse Einheit (Gattung) ist, noch nach Seite seiner unbegrenzten Vielheit. Nach letzterer Seite hin nämlich ist die Erkenntniss unmöglich, da der Geist des Einzelnen als Einzelnes nicht erkennt und überhaupt eine Erkenntniss der unbegrenzten Vielheit von Individuen nicht statthaben kann. Nach der Seite seiner Einheit aber, d. h. nach der Seite, wo das Universale Gattung oder allgemeine Eigenschaft ist, ist es ein Verhältnissbegriff, der erst verstandlieh wird, wenn man das Correspondirende, das aber hier die unbegrenzte Zahl von Individuen ist, mit erkennt. Da das aber nicht möglich ist, so bleibt nur zu sagen übrig, dass der Geist das Einzelne erkennt, nur nicht insofern es ein bestimmtes Einzelnes ist, sondern insofern es das erste beste Einzelne seiner Gattung ist (d. h. das Einzelne nach der allgemeinen Seite seines Wesens). Hier aber entspricht die Erkenntniss der Realität. Denn das erste beste Individuum findet sich vor. ' Ein gleiches Sachverhältniss stellt sich bei der Definition heraus. Die Definition zeigt die Wesenheit eines jeden Individuums auf, auf das sie passt. Also geht sie auf das Individu um, nur nicht auf dieses bestimmte einzelne, sondern auf das erste beste einzelne derselben Art. Somit entspricht auch der Definition die reale Welt. Ein Gleiches endlich gilt von den allgemeinen Urtheilen, beispielsweise dem Urtheil, dass das Dreieck zwei rechte Winkel habe. Hier ist nicht das Dreieck als Gattung gemeint, denn als solche umfasst־es eine infinite Zahl von Dreiecken, deren Winkel denn auch eine infinite Zahl von Rechten betragen. Vielmehr ist das einzelne Dreieck gemeint, freilich nach der allgemeinen Seite seines Wesens, d. h. ohne Rücksicht auf sonstige an ihm hervortretende Unterschiede. Gersonides geht hierauf zur Prüfung der Ansicht über, dass es für den Menschen möglich sei, den allgemeinen Geist bis zum Einswerden, mit demselben zu erkennen. Er. weist diese Möglichkeit einstweilen damit ab, dass die Beweise dafür sämmtlieh Analogieschlüsse sind, die, als von der sinnlichen Wahrnehmung hergenommen, durchaus Nichts beweisen. Doch hat