Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. 189 weise das Sehvermögen an ein materielles Organ geknüpft, als auch , die wahrzunehmende Form nur mit accidentellen Beimischungen, die aus ihrem Versenktsein in die Materie herrühren, sich findet. Anders freilich steht es mit der Behauptung Ibn-Sina’s, dass der hylische Verstand selbst, n'amlich als Disposition, unentstanden sei. Diese Ansicht ist bereits im,Früheren durch das gegen Themistius Vorgebrachte widerlegt. Für Al-Farabi endlich, der eine Vereinigung des hylischen Verstandes mit dem allgemeinen für unmöglich hält, spricht der Satz, dass Alles, was entstanden ist, auch vergeht, da nach ihm der hylische Verstand entstanden ist und demnach auf keine, Weise ewig werden kann. Gersonides rückt jetzt durch schärfere Prüfung der vorge* brachten Gründe und Gegengründe der Entscheidung näher. Gegen Averroes macht er Folgendes geltend. Wohl sei es wahr, dass die Vernunfterkenntnisse im hylischen Geiste entstehen. Sind sie aber darum an sich entstanden? Der Sonne entsteht Annäherung an uns im Sommer — für einen Astronomen ein bemerkenswerther Irrthum — entsteht sie darum an sich? Ebensowenig stichhaltig ist der Beweis, welcher daraus geführt wird, dass diesen Vernunfterkenntnissen nichts Reales ausserhalb des Denkens entspreche. Man fasst dieses Argument, meint Gersonides, gewöhnlich so: 1) Die Vernunfterkenntnisse sind Universalia (Allgemeinheiten), das Universale finde sich jedoch nur potentiell ausserhalb des Geistes. 2) Die Vernunft• erkenntnisse beziehen sich auf die Washeit (rvn&> Quiddität, Wesenheit) und die allgemeine Natur der zu definirenden Dinge, in den existirenden Dingen finde sich aber diese allgemeine Natur nur potentiell. 3) Was sich ausserhalb des Denkens befindet, ist nicht Vernunft, gedacht aber wird nichts als Vernunft. Wir könnten, meint nun Gersonides, darauf kurz antworten, indem wir uns auf die reale Existenz der Universalia im allgemeinen Geiste berufen. Sie entstehen somit weder an sich, noch kann man selbst von ihrem Entstehen im hylischen Verstände, reden, da die Weise ihrer Existenz (nämlich als Vernunft) keine andere ist, als die im allgemeinen Geiste. Aber es ist auch nicht einmal wahr, dass alle Vernunfterkenntnisse Universalia sind und eine infinite Zahl von Individuen umfassen. Die Hirnmeiskörper z. B. sind Individuen, von denen jedes so zu sagen 1r