Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. werden, wie die sinnlichen Erkenntnisse. Da wir nämlich genöthigt sind,fim hylischen Verstände keinerlei Form (Idee), als schon vorhanden zu setzen — er wäre ja sonst nicht' geeignet, ,ungetrübt alle Formen aufzunehmen — so folgt, wie auch eine achtsame Erfahrung lehrt, dass alle Erkenntnis8 von der sinnliehen Wahrnehmung vermittelt wird. Selbst die sogenannten Axiome sind nur als solche Erkenntnisse anzusehen, die sich in uns unvermerkt bei der sinnlichen Wahrnehmung absetzen. Indem wir beispielsweise durch die sinnliche Wahrnehmung Quantitatives erkennen, erkennen wir zugleich mit das Axiom, dass das Ganze grösser sei, als der TheiL Verhielte sich’s nun so, meint Gersonides, dass die Ideen keine andere Existenz haben als in uns, so könnte die Frage, ob der Geist, d. h. eben die erworbenen Erkenntnisse, ewig seien, nur verneint werden. Einerweiteren vorläufigen Prüfung unterwirft er die Meinung des Averroes, dass eine Einigung unseres Geistes mit dein allgemeinen Geiste erreichbar sei. Er meint, es Hesse sich das allerdings plausibel machen. Wenn man die Analogie von der sinnlichen Wahrnehmung hernimmt, so ist der hylische Geist das Empfangende, der allgemeine Geist der sich Mittheilende, und der erworbene Geist das Empfangene. Im Sinnlichen sind das drei,, im Geistigen macht das eine ungetrennte Einheit aus. Aber auch für die Meinung des Ihn-Lina, fährt er fort, lässt sich Manches beibringen. Ihn-Lina hält die Ideen für unentstanden und darum ewig. In der That, entständlich und vergänglich ist ja offenbar nur, was eine materielle Unterlage hat. Das rein Geistige dagegen ist ewig und unvergänglich. Nun zeigen sich die Ideen als imma« teriell, einmal dadurch, dass sie Eines sind, d. h. nicht wie ־ die sinnlichen Formen der Vervielfältigung fähig und so zahlreich sind, wie die Träger dieser Formen, dann dass sie allgemein sind, also eine unbegränzte Anzahl von Individuen umspannen, endlich dass bei ihnen Identität des Denkenden und Gedachten ist. Kurz, alles was schon früher beigebracht worden, um das specifisch Unterschiedene des Denkens von der sinnlichen Wahrnehmung in'8 Klare zu setzen, hat ja gerade darin seinen Grund, dass beim Denken keinerlei Beimischung des Materiellen zu statuiren ist, anders wie bei der Wahrnehmung, wo;sowohl beispiels-