Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
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Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. 137 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. Von Dr. M. Jo el. (Fortsetzung.) . Ibn-Sina dagegen ist der Ansicht, dass der erworbene Verstand ewig sei. Nach ihm nämlich sind sowohl alle geistigen Erkenntnisse unentstanden, als auch der hylische Verstand. Er hat demnach nur das als Thatsache festzustellen. Denn dass etwas Unentstandenes nicht vergeht, wird allgemein zugegeben. Endlich ist die Meinung des Al-Farabi nach einer Mittlieilung, dass der .menschliche Geist sterblich sei. Denn der hylisehe Verstand entsteht,. und etwas Entstandenes kann durch Nichts ewig werden. Nach einer anderen Stelle') scheint er mit der von Themistius angeführten Ansicht zu stimmen. In der Prüfung dieser Ansichten geht Gersonides vor Allem auf die Frage ein, ob die Verstandeserkenntnisse (׳vorjzcc, מושכלות) als entstanden oder als ewig anzusehen seien. In der That, meint er, hat es den Anschein, als ob sie entständen. Denn sie sind offenbar im hylischen Verstände nicht von vorneherein, sondern werden allmälig erzeugt. Platon'8 Wiedererinnerung {ctvoz{1vYi6ig) erklärt die Thatsache durchaus nicht. Was soll hindem, dass der Wirklichkeit nach in uns vorhandene Ideen nicht gewusst werden? Aber freilich daraus, dass die Ideen in uns erstehen, fqlgt noch keinesweges ihr Enstandensein überhaupt. Dennoch aber scheint man auch dies annehmen zu müssen. Denn die Ideen (Begriffe) sind ja nicht dasselbe, was die reale Welt. Die Realität besteht aus Einzeldingen, die Ideen sind allgemein, Somit hat es den Anschein, als ob die Ideen lediglieh in uns Realität hätten, und, da sie in uns sicherlich entstehen, dass sie überhaupt entstehen. Ein zweites Bedenken ergibt sich aus der Betrachtung, dass die Ideen nicht blos erworben, sondern gerade so erworben l) Die Steile, auf die hier angespielt wird, scheint die in dem neuerdings von Dr. Rosenstein edirten, in'8 Lateinische übersetzten und mit Anmerkungen versehenen Schriftchen des Al-Farabi, das in hebräi- > scher Sprache sich erhalten hat und den Titel ספר השכל וחמושכלות führt, sich findende zu sein. S. 5 nämlich wird dort von der Möglichkeit des Einswerdens mit dem allgemeinen Geiste gesprochen. Frankel, Monatsschrift. X. 4. IX