Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Geschichte der Juden in der Residenzstadt Hannover
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
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in der Residenzstadt Hannover. 131. ergeben, die nicht allein für die Juden Hannovers, sondem auch für die in den welfischen Landen überhaupt von Wichtigkeit sind. Der bekannte Hostienprozess, welcher im Jahre 1510 in der Mark Brandenburg geführt wurde und in welehern Churfürst Joachim I. seinen Eifer für den christlieben Glauben so sehr bekundete, dass er 38 Juden zuerst schrecklich foltern und dann bis auf zwei, die, weil sie aus Angst die Taufe angenommen hatten, aus Gnaden bloss geköpft wurden, verbrennen liess und die übrigen aus dem Lande jagte1), war nicht für die märkischen Juden allein so verhängnissvoll, sondern auch auswärtige Juden, wie die zu Braun schweig, wurden in denselben verwickelt, nachdem einer der gefangenen märkischen Juden auf der Tortur gestanden hatte, dass man ein Stück der bereits vergrabenen Hostie wieder aufgegraben und durch einen anderen Juden weiter an die Glaubensgenossen in Braunschweig geschickt hätte. In Folge dieses Geständnisses veranlasste der gedachte Churfürst den Rath zu Braunschweig, die dortigen Juden in Haft zu nehmen und ihnen den Prozess zu machen. Allein zum Glücke war man damals in Braunschweig in der Kunst, mittelst der Folter Geständnisse zu erpressen, wie man sie eben wünschte, nicht so geschickt wie das Inquisitionsgericht zu Berlin, und der Rath zu Braunschweig musste die gefänglich eingezogenen Juden, gegen welche sich ohne Anwendung der Tortur nichts Gravirendes ermitteln liess, nachdem sie zwei Urfehden geschworen hatten2), wiederum ihrer Haft• entlassen. Unter diesen befand sich auch ein gewisser Jacob aus Hannover. Durch Vermittelung der Juden kamen zuweilen Vorgänge und von Seiten der städtischen Behörde in ungerechtfertigter Weise getroffene Massregeln zur Kenntniss des Herzogs, der die letzteren dann rügte und auf Abhülfe י) Ausführliches hierüber wird meine Geschichte ■der Juden in der Mark Brandenburg enthalten. 2) Diese interessanten Urfehden werde ich in meiner Geschichte der Juden in Braunschweig mittheilen.